17.12.08

Glückliche Auszeit

Auszeit

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1.12.08

Unter Wert

Sonderverkauf

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22.7.08

Von Fliegen und Menschen

Das ideale Haustier ist putzig, gibt Ruhe und versorgt sich selbst. Leider erfüllt weder unsere Clivie (kein Selbstversorger, zudem Einstufung als Haustier fraglich) noch das diverse Getier, das eine Wohnung mit Innenbalkon in Waldesnähe so mit sich bringt, sämtliche dieser Kriterien. Z.B. sind die Kellerasseln auf dem Balkon lobenswert ruhig, besorgen sich ihr Futter selbst und wollen auch nicht gegossen werden, haben aber starke Defizite, was die Putzigkeit betrifft. Seit einigen Jahren ist nun ein neues Haustier hinzugekommen, offenbar eine Art Fliege, obwohl sie wie eine Wespe aussieht: rötlich-braun, schlank, mit einer extremen Wespentaille und zwei verlängerten Beinen, die im Flug herabhängen. (Falls jemand den Namen dieses kleinen Tieres kennt: Ich wüßte ihn auch gern.) Putzig an ihr ist vor allem die Emsigkeit, mit der sie jeden Sommer an völlig abstrusen Stellen der Wohnung kleine Kokons aus selbstangerührtem Lehm für ihre Brut errichtet. Das Problem: Bei der Bautätigkeit erzeugt sie - wie und womit auch immer - ein absolut nervtötendes Geräusch, ähnlich einer Kreissäge und fast genauso laut. Überdies scheint sie vergeßlich zu sein, so daß sie manchen unter großem Krach errichteten Kokon halbfertig zurückläßt und sich Konstruktionsarbeiten an einer völlig anderen Stelle zuwendet. Nach zahlreichen Versuchen, das Tier zu vertreiben oder anderweitig zu demotivieren, lasse ich sie mittlerweile gewähren, so sehr sie auch nervt. Denn egal was man tut, sie kommt immer wieder zurück, völlig fixiert auf die Aufzucht ihrer Brut. Etwas anderes hat sie nie gelernt, ihr einziger Lebenszweck ist die Fortpflanzung: Neue kleine Fliegen erzeugen, die dann im nächsten Sommer an die Stätte ihrer Kindheit zurückkehren und kleine Kokons für die nächste Generation bauen. Und so weiter, bis in alle Ewigkeit. So steht's in den Genen, für viel mehr ist da kein Platz.

An dieses nette, wenn auch anstrengende kleine Tier fühle ich mich erinnert, wenn pünktlich jeden Sommer die Schwangeren aus ihren Löchern kommen. Dieses Jahr sind es so viele, daß sich bei Renate schon Assoziationen zur Alien-Invasion im Dorf der Verdammten einstellen. Aber auch ohne Aliens ist Schwangersein höchst trendgemäß. Und das nicht nur wegen Frau von der Leyen, die beschlossen hat, das deutsche Volk wieder zu stolzer alter Größe zu züchten. Nein, wir befinden uns im Zeitalter der Biologie, was bedeutet, daß es im Jahr Zweitausendundacht christlicher Zeitrechnung wieder en vogue ist anzunehmen, daß der Mensch genauso simpel funktioniert wie meine kleine Fliege: Gene, Fortpflanzung, vielleicht noch bißchen Revier verteidigen, fertig. Wer in den Humanwissenschaften versucht, alles mögliche Handeln und Verhalten heutiger Menschen darauf zurückzuführen, daß (angeblich) bereits in der Steinzeit bla bla bla, sagt sehr viel weniger über soziale Phänomene aus als über sein eigenes beschränktes Weltbild. Die Einfachheit solcher Erklärungen rührt nicht von Ockhams Rasiermesser her, sondern von der bestürzenden Phantasielosigkeit eines Mario Barth und all dieser langweiligen Comedians mit den ewiggleichen Geschlechterthemen: Männer so, Frauen so, immer so gewesen, Veränderung unmöglich.

Es scheint tatsächlich nötig zu sein, in Erinnerung zu rufen: Der Mensch ist kein reines Natur-, sondern in allererster Linie ein Kulturwesen. Männer sind größtenteils mit anderem beschäftigt als damit, ihren Samen überall zu verteilen. Die Zeiten, in denen der Mann auf die Jagd gegangen ist und die Frau das Herdfeuer bewacht hat, sind längst vorbei, sofern es sie jemals überhaupt gegeben hat und sie nicht nur das Produkt feuchter Träume von Reaktionären sind, die sich nichts anderes vorstellen können. Vielleicht habt ihr es nicht so ganz mitbekommen, aber seit der Steinzeit hat sich doch das eine oder andere getan. Zu den kulturellen Errungenschaften der Menschheit, die seither erfunden wurden, gehören unter anderem die Liebe, die Ächtung und Strafbarkeit von Vergewaltigung, die bezahlte Frauenerwerbstätigkeit und, ja, auch Verhütungsmittel. Niemand zwingt euch dazu, euch fortzupflanzen. Ihr habt noch andere Möglichkeiten als eine Fliege. Die Weltbevölkerung umfaßt bald sieben Milliarden Menschen, da machen eure Gene auch keinen großen Unterschied mehr. Es ist kein hinreichender Grund, etwas zu tun, nur weil es alle immer schon gemacht haben. Überlegt euch, ob ihr es verantworten könnt, einen weiteren Menschen all dem Schwachsinn auszusetzen, mit dem ihr euch selbst herumschlagen müßt. Wenn ihr euch nicht sicher seid: Laßt es. Wenn sich euch die Frage erst gar nicht stellt: Laßt es erst recht. Und laßt es ganz besonders dann, wenn ihr glaubt, ein Kind sei so eine Art Haustier. Das ist es nicht. Schon gar kein ideales. Ein Kind ist das Gegenteil eines Selbstversorgers, und über lange Phasen seiner Entwicklung ist es ausgesprochen laut und sieht nicht einmal besonders putzig aus. Wenn ihr Bedarf an einem weiteren Mitbewohner habt: Ich überlasse euch gerne einen Ableger. Die Clivie produziert sie in Massen. Sie weiß es nicht besser. Ihr aber habt die Wahl.

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8.7.08

Haß

Wenn der Anrufer fragt: "Spreche ich mit Herrn David Fischer-Kerli?", folgt in der Regel nichts Gutes, sondern ein Verkaufsgespräch, im schlimmsten Fall von der Telekom. In diesen Momenten weiß ich nicht, was mich mehr ankotzt: der Brauch, die Leute zu Verkaufszwecken auch noch per Telefon zu belästigen, oder anhören zu müssen, wie mein Name zu Däiwid oder Deewid mutiert. Liebes Callcenter-Prekariat: Es mag ja sein, daß in euren Kreisen alle Kinder Kevin und Jennifer heißen. Dem Umstand, daß euer Bildunghorizont vermutlich nicht weit über David Odonkor hinausreicht, gilt mein vollstes Mitgefühl. Genauso traurig finde ich es, daß ihr aufgrund der hirnlosen amerikanischen Fernsehserien, mit denen ihr eure trostlose Freizeit ausfüllt, oder aufgrund der trendigen pseudo-englischen Firmennamen und Werbeslogans, mit denen ihr es in dem, was ihr Leben nennt, so zu tun habt, den Eindruck gewinnen müßt, als lebten wir alle bereits in einer Art USA. Aber warum zum Geier ruft ihr alle mich an, wenn ihr nicht mal wißt, wie ich heiße?

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7.7.08

Erlebnis Werbung

"Haben Sie gefunden, was Sie suchen?", fragt mich Amazon.de sehr aufmerksam. Nein, habe ich nicht, ich suche nämlich immer noch meine verschlampte "Reflections of Bach"-CD von Jacques Loussier. Amazon konnte mir wenigstens sagen, was eigentlich für Stücke auf der CD wären, läßt es dabei aber leider nicht bewenden, sondern gibt mir am Ende der Seite noch einen "gesponserten Link" mit auf den Weg: Das Palmolive Erlebnis - Entfliehen Sie mit Palmolive dem Hier und Jetzt - Momente der Ruhe. Wie kommt Amazon von der Suche nach "Reflections Bach" auf Seife? Gibt es einen inneren Zusammenhang zwischen klassischer Musik und Hygiene, der sich nur Marketingfachleuten erschließt?

Vor vielen Jahren gab es eine Fernsehwerbung für den "Weißen Riesen", in der Aufnahmen einer unglaublich langen Wäscheleine mit der Morgenstimmung aus Griegs Peer-Gynt-Suite untermalt wurden. Seit dieser Zeit kann ich das Stück nicht mehr hören, ohne an Waschmittel zu denken. Genau das ist einer der vielen Gründe, warum ich (wie mehrfach erwähnt) Werbung so hasse - mal ganz abgesehen von der Verstümmelung der Sprache durch Marketinglyrik und Deppenleerzeichen: Palmolive Erlebnis - wieviel blöder geht es noch?

Der Effekt, daß der Konsument ein wunderschönes Stück klassischer Musik bis an sein Lebensende mit einem Waschmittel assoziiert, ist ja kein Kollateralschaden des Marketings, sondern exakt das, worauf moderne Werbemethoden abzielen. Und es ist nicht nur die Musik. Was auch immer benutzt werden kann, um irgendwelchen Schwachsinn zu verkaufen, wird benutzt, ganz egal, auf welchem kulturellen Erbe man gerade herumtrampelt. Oder erinnert sich noch irgendwer an den ursprünglichen Sinn von Weihnachten? Ein bemerkenswerter Tiefpunkt war erreicht, als Martin Luther Kings "I have a dream" seinerzeit für die aggressive Kampagne des Mobilfunkanbieters Quam herhalten mußte. Quam ist mit Pauken und Trompeten untergegangen. Die Einstellung ist geblieben. Was auch immer die Leute hören, was auch immer sie sagen, was auch immer sie denken - es muß gefälligst mit Produkten zu tun haben.

Und wie weit geht Amazon? Dieser Frage bin ich mit dem Godwin-Test nachgegangen. Der Suchbegriff "Holocaust" ergibt neben tausenden Artikelempfehlungen tatsächlich auch einen gesponserten Link, immerhin von Arte. Nur bei "Hitler" - keine Werbung? Vermutlich nur eine Frage der Zeit. An Anstand will ich nicht so recht glauben.

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5.7.08

Kundenbindung from hell

Ich hasse Werbung. Ich hasse es allerdings noch mehr, von Werbung angerufen zu werden. Ganz unbeschreiblich hasse ich es, von Werbeanrufen geweckt zu werden. Aber mein Haß kennt keine Grenzen mehr, wenn das Unternehmen, "in dessen Auftrag" mich der Werbeanruf weckt, spätestens seit Mai 2007 in seinem System festgehalten hat, DASS ICH KEINE WERBUNG UND KEINE TELEFONKONTAKTE WÜNSCHE. Ein sehr eigenwilliges Verständnis von "Kundenbindung", das die Deutsche Telekom da offenbart. Denn genau darum ginge es, so die Mitarbeiterin bei meinem Beschwerdeanruf, meinen Einwurf ignorierend, daß es wohl kaum Ziel der Kundenbindung sein könne, daß der Kunde das Unternehmen zum Teufel wünscht. Am bemerkenswertesten fand ich jedoch ihre Aussage in diesem Zusammenhang: "Die Telekom beobachtet ihre Kunden sehr genau". Ja, davon habe ich auch schon gehört.

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23.4.08

Das prickelnde Gefühl der Frische

Wer Kensington-Schnupftabak kaufen möchte, sollte wissen:

"Beginnen Sie mit kleinen Prisen. Schnuppern Sie den Snuff nur ganz leicht auf. Das bringt Ihnen den höchsten Genuß. Nehmen Sie sich nach der Prise ein paar Sekunden Zeit. So kosten Sie das Aroma des Snuffs richtig aus und können das prickelnde Gefühl der Frische genießen. Ich liefere Tabakwaren nur an Personen die 18 Jahre oder älter sind."

Das heißt: Damals als Neuntkläßler haben wir alles falsch gemacht. Aber auch wirklich alles.

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27.10.07

Erfaßt

Falsch!Okay, die Fotofix-Fotos waren ziemlich scheiße, aber sie zeigten eindeutig mich, da gab es wohl nicht viel Spielraum. Und der Staat will es so. Weil der Staat aber bis Ende Oktober nicht auch noch Fingerabdrücke, Geruchsproben und einen Abstrich der Mundschleimhaut von mir will, wenn ich einen Reisepaß beantrage, ergab sich gestern ein aufschlußreiches Gespräch mit dem Beamten auf dem Bürgeramt, der verzweifelt einen Freiwilligen zum Test des Fingerabdruckscanners suchte, verzweifelt und natürlich aussichtslos, da diese Tage natürlich nur diejenigen einen Reisepaß beantragen, die auf erkennungsdienstliche Erfassung genausowenig Bock haben wie meine Wenigkeit, obwohl ja ausdrücklich versichert wird, daß die Abdrücke nur auf dem Paß gespeichert und im Meldeamt sofort wieder gelöscht werden. Mein Argument, bei den Mautdaten wurde genauso versichert, sie würden ausschließlich zur Mautberechnung verwendet und nicht für polizeiliche Zwecke, war offenbar so originell nicht: Vor fünf Minuten habe der letzte Kunde genau dasselbe gesagt, so der Beamte. Dabei könne man es dem Bürger nicht einmal übelnehmen, daß er dem Staat nicht mehr traut, denn: "Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht". Dem hatte ich wenig hinzuzufügen, außer dem bescheidenen Vorschlag, ob denn nicht er selbst das Gerät testen wolle. Wollte er nicht, sein Paß war noch gültig, an einen Nutzen der Biometrie für die Terrorbekämpfung glaubte er auch nicht, und überhaupt: "Nach da drüben, wo das alles herkommt, will ich sowieso nicht". Falls mich mal jemand nach einem neuen Innenminister fragt - ich hätte da einen Vorschlag.

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25.10.07

Support durch Formbriefe

Anfrage vom 09.09.2006 13:09

Guten Tag!
Wird das Anwählen eines Servers im Festnetz der Deutschen Telekom (z.B. Universitätsrechenzentrum) über Analog-Modem mit dem Call`n`Surf-Modell technisch möglich und von der Telefon-Flatrate gedeckt sein?
Besten Dank im voraus!

Von: info@t-com.net
Datum: 10 Sep 2006 08:47:57
An: fischer@uni-hd.de
Betreff: Re: Anfrage aus: T-Com, Festnetz, T-DSL - Zwischeninformation


Sehr geehrte Damen und Herren,
vielen Dank für Ihre E-Mail.
Bitte geben Sie uns etwas Zeit, um Ihre Anfrage zu bearbeiten. Sie erhalten in Kürze eine Antwort.
Bei Rückfragen per E-Mail geben Sie bitte unser Zeichen: tco-******** mit an.
Mit freundlichen Grüßen
Ihre T-Com

Von: fischer@uni-hd.de
Datum: 17 Oct 2006 13:19:52
An: info@t-com.net
Betreff: Re: Anfrage aus: T-Com, Festnetz, T-DSL (tco-********)


Guten Tag!
Mittlerweile ist über ein Monat seit meiner Anfrage und Ihrer Zwischenauskunft vergangen; ich zweifle etwas daran, daß ich "in Kürze eine Antwort" erhalte. Oder habe ich da etwas übersehen?
Mit besten Grüßen
David Fischer-Kerli

Von: info@t-com.net
Datum: 18 Oct 2006 08:06:12
An: fischer@uni-hd.de
Betreff: Re: Re: Anfrage aus: T-Com, Festnetz, T-DSL (tco-********) - Zwischeninformation


Sehr geehrter Herr Fischer-Kerli,
vielen Dank für Ihre E-Mail.
Bitte entschuldigen Sie, dass Sie zu Ihrer T-DSL Anschluss Tarif Anfrage noch keine Antwort erhalten haben.
Wir benötigen noch etwas Zeit.
Bei Rückfragen per E-Mail geben Sie bitte unser Zeichen: tco-******** mit an.
Mit freundlichen Grüßen
Ihre T-Com

Von: fischer@uni-hd.de
Datum: 24 Oct 2007 14:32:24
An: info@t-com.net
Betreff: Re: Re: Anfrage aus: T-Com, Festnetz, T-DSL (tco-********) - Zwischeninformation


Guten Tag nochmal!
Ich dachte, ich frage so einmal jährlich nach, wieviel Zeit Sie für meine Anfrage vom 09.09.2006 noch benötigen.
Beste Grüße
David Fischer-Kerli

Von: info@telekom.de
Datum: 24 Oct 2007 18:32:05
An: fischer@uni-hd.de
Betreff: T-Com, Festnetz, T-DSL (tco-********) - Zwischeninformation - Zwischeninformation


Sehr geehrter Herr Fischer-Kerli,
vielen Dank für Ihre E-Mail.
Bitte entschuldigen Sie, dass Sie bislang noch keine Antwort erhalten haben. Wir haben Ihr Anliegen an die für Sie zuständige Kundenniederlassung weiter geleitet.
Wir benötigen für Ihr Anliegen noch etwas Zeit. Haben Sie bitte noch etwas Geduld.
Bei Rückfragen per E-Mail geben Sie bitte unser Zeichen: tco-******** mit an.
Mit freundlichen Grüßen
Ihre Deutsche Telekom

... wird nächstes Jahr fortgesetzt ...

Update 26.10.: ... oder auch nicht. Heute! einen Anruf!! von der Telekom bekommen, und zwar nicht!!! wie üblich, um mir einen neuen/alten Tarif aufzuschwatzen, sondern offenbar von der "zuständigen Kundenniederlassung", deren Kundenniederlasser zwar sehr freundlich war, aber auch überhaupt keine Antwort auf meine Frage wußte. Sein Rat: den technischen Kundendienst anrufen; das Mitschreiben der Nummer habe ich allerdings gleich nach "01805..." bleiben lassen. Das Geld ist mir der Spaß nicht auch noch wert, zumal das Leben meine Frage längst beantwortet hat: Ja, es geht, das Unirechenzentrum über Analog-Modem anzurufen, wenn man an DSL hängt, und es kostet ein Heidengeld, wie ich jeweils meiner Telefonrechnung (Einzelverbindungsnachweis) entnehmen kann. Irgendjemand bei der Telekom scheint also durchaus zu wissen, was er für diese Leistung berechnen will. Aber diese Sorte Wissen teilt man offenbar ungern mit anderen.

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24.9.07

Fortschritt

Die Möglichkeiten, Zeit zu vertrödeln, sind seit Erfindung des Heimcomputers bekanntermaßen ins Unermeßliche gestiegen. Anfängern garantieren Computerspiele und nutzlose Online-Beschäftigungen Tage und Nächte voller Kurzweil, Fortgeschrittenen und Technikpuristen sei hingegen die Beobachtung von Fortschrittsbalken empfohlen. Die eigentümliche Faszination, der von langsam anwachsenden Farbbalken ausgehen kann, ist leider nicht jedem zu vermitteln. Ist es die Freude am Fortschritt, der ja immer und in jeder Hinsicht etwas ganz Tolles ist? Ist es die Befriedigung, daß Arbeit getan wird, ohne daß man selbst einen Finger rührt, abgesehen von gelegentlichen Mausbewegungen gegen das Anspringen des Bildschirmschoners? (Vorbildlich in dieser Hinsicht: BOINC, seit neuestem auch mit grafischer Fortschrittsanzeige, dazu noch ein sinnvolles Projekt, das das Leid der Menschheit lindert oder wenigstens viele Credits einbringt. Besonders aufregendes Balken-Watching ab zwei Prozessorkernen.) Muß man vielleicht einfach nur ein völlig bescheuerter Nerd sein? Oder springt gar das Unterbewußtsein auf das phallische Element an, das anschwellende Säulen wohl so an sich haben? Gegen Letzteres spricht allerdings der ganz besondere Reiz der grafischen Darstellung einer Festplattendefragmentierung, wie sie in den älteren Windows-Versionen vorhanden war; das Konzept des Fortschrittsbalkens wird hier auf geradezu geniale Art ins Zweidimensionale übersetzt (mit zusätzlichen Spannungselementen).

Unschön am technisierten Zeitvertrödeln ist nur das schlimme Erwachen danach: Was hätte ich nur alles stattdessen tun können! Wie viele Häuser, Bäume oder Kinder man hätte bauen respektive pflanzen oder zeugen können, anstatt Spider Solitaire zu spielen, möchte man gar nicht wissen. Für die gesamte Menschheit zusammengerechnet, dürfte das wohl auf mehrere Kontinente hinauslaufen. Jetzt im Herbst, wo fallende Blätter und beschissenes Wetter melancholisch stimmen, drängen sich doch mitunter grundsätzlichere Fragen auf: Wieviel Lebenszeit ist wohl bislang für absolut nutzlose Zeitverschwendung draufgegangen? Oder für das Warten auf die 100 Prozent Fortschritt? Wenn sich dann noch diverse Zipperlein beim Aufstehen rühren und die Wampe immer lauter schreit, kann es sogar noch grundsätzlicher werden: Wieviel Zeit bleibt überhaupt noch für all die Dinge, die man eigentlich hätte tun sollen? Wo genau steht der Fortschrittsbalken des Lebens? Statistisch kann man das rausfinden: für einen 34-Jährigen männlichen Geschlechts in Deutschland bei so etwa 44% (Statistisches Bundesamt). Und wächst weiter. Mit jeder Defragmentierung.

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21.9.07

Zeitmanagement-Experte Prof. Dr. Lothar Seiwert rät:

Vermeiden Sie ab sofort die 12 größten Fehler an Ihrem Schreibtisch!

Ordnung ist das halbe Leben

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27.6.07

Fischer will auch

Morgens zu nachtschlafender Zeit Abi-07-Gehupe und Krach von drei verschiedenen Baustellen, mittags Werbeanrufe, nachmittags im Supermarkt Promotionstände und Beschallung mit Seichtpop, dazwischen die üblichen dummdreisten Hühner mit ihren MP3-Handys in der Tram - Belästigung scheint das Gebot der Stunde zu sein. Da ich ein höflicher Mensch bin, würde ich mich gerne anpassen und auch belästigen, weiß aber nicht wie, da das Rauchen jetzt ja verboten ist. Aber wenn ich irgendwann mein antikes Mobiltelefon durch ein neueres Modell ersetze, werde ich auf einen Lautsprecher achten, der den Namen auch verdient, und das Teil mit Slayer-Tracks und Preßlufthammeraufnahmen bestücken. Ich liebe euch doch alle!

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22.6.07

Kundenbetreuung

Nachdem sich die Frequenz der ungebetenen Telekom-Anrufe bei mir in letzter Zeit deutlich erhöht hat (trotz Streik!), war es nur noch eine Frage der Zeit, bis auch das passieren würde: zwei Anrufe an einem Tag. Gestern hat's die T-Com geschafft. Gut: Die Anrufe sind insofern nicht mehr absolut sinnlos, als mir jetzt nicht mehr wie noch vor einigen Wochen genau derjenige Tarif wiederholt ans Herz gelegt wird, den ich ohnehin schon habe. Stattdessen erkennt man mich nun korrekt als Call & Surf Comfort-Kunden, dem unbedingt ein ganz tolles Angebot telefonisch mitgeteilt werden muß.
Schlecht: Bei meiner Anfrage bei der Service-Hotline, ob man den Telefonterror nicht irgendwie abstellen könnte, erfahre ich, daß bereits im System eingetragen ist, daß ich KEINE WERBUNG UND KEINE TELEFONKONTAKTE wünsche. Ich möchte nicht wissen, wie häufig die Kunden angerufen werden, die Telefonwerbung wünschen.
Auch schlecht: Auf die Frage, die ich mir die ersten vier Male spaßeshalber noch erlaubt habe, ob sich bei dem neuen Angebot wirklich nichts verschlechtert, hat nur eine einzige der Call-Center-Damen wahrheitsgemäß geantwortet, daß sich die Mindestlaufzeit des Vertrags von 12 auf 24 Monate verlängert, ansonsten lautete die Antwort schlicht "Nein". Wenn ich dann nachgehakt habe, hieß es, die Verlängerung ("Ja, das ist mit bei") sei doch kein Nachteil, ich könne ja jederzeit auf einen anderen Telekomtarif wechseln. Zu einem anderen Anbieter natürlich nicht, aber das würde ich ja auch nicht wollen. Liebe Telekom: Doch, ich will, und sei es nur deswegen, damit mein Telefon endlich Ruhe gibt.

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9.6.07

Enttarnt

Aber natürlich habe ich der Polizei geglaubt, daß der von Demoteilnehmern als Zivilbeamter enttarnte Provokateur gar kein Polizist war. Jetzt, wo die Polizei nach mehrfachem Dementieren endlich zugegeben hat, daß er doch einer war, glaube ich ihr halt stattdessen, daß der Mann gar nicht zum Steinewerfen aufgefordert hat. Irgendwas muß man ja glauben. Noch peinlicher als die Öffentlichkeitsarbeit der Polizei ist allerdings die Tatsache, daß der Zivilpolizist unter anderem deswegen aufgefallen ist, weil er Mitdemonstranten gesiezt hat (FR 09.06.2007:5).
Als ich gestern nach langer Zeit wieder einmal in der Unibibliothek war, habe ich mich übrigens auch durch Siezen enttarnt gefühlt, allerdings war ich es, der von der gefühlt halb so alten UB-Hiwine am Gebührenschalter gesiezt wurde. Vielleicht hätte ich die offenen Gebühren (0,65 EUR) aus dem Jahr 2001 doch auf sich beruhen lassen sollen.

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19.4.07

Ein Satz zur Weltlage (okay, drei)

Neulich in der Badewanne, was auch ein sehr schöner Ort ist, drang Musik aus einem Küchenradio zu mir, aber weil die Tür geschlossen war und der Badeschaum oder was auch immer die Frequenzen filterte, kam nur ein recht vager Eindruck von der Musik bei mir an, und das wenige, was bei mir ankam, hörte sich an wie Philip Glass. Weil alles andere war wie sonst immer, überlegte ich, ob ich möglicherweise aus noch aufzuklärenden Gründen irgendwie in eine Parallelwelt geraten war, in der alles andere ist wie sonst immer, aber in Küchenradios statt SWR3 Philip Glass läuft, und ich dachte, hey, das wäre zumindest mal ein Anfang. War dann aber doch SWR3.

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22.3.07

Nimm dies, Gregor Samsa

Einfach nur Halbschlaf? Oder leichtes Fieber? Heute morgen beim Aufwachen fühlte ich mich jedenfalls GENAU wie ein Q. Tip von Renate: "Schüttel bißchen das eine Bein, dann fühlst du dich wie ein O. Und mach dir einen Tee."

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14.2.07

Blue Valentine

Keine zwei Wochen ist das Tape am linken Fuß ab, da renne ich mit dem rechten gegen den Türrahmen. Der zweitkleinste Zeh sieht mich vorwurfsvoll und ganz blau an. Natürlich wäre die Wohnung leichter zu durchqueren, wenn nicht überall Krempel herumliegen würde. Aber deswegen gleich aufräumen? Niemals! Nicht solange ich noch Zehen habe!

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13.1.07

Winterspeck: Chancen und Risiken

Man kann vom Winter halten, was man will, das Essen ist jedenfalls gut. Ich fürchte nur, die allweihnachtliche Mastkur hat bei mir bleibende Schäden hinterlassen: Seit Heiligabend habe ich eigentlich nicht mehr aufgehört zu essen. Selbst das orthodoxe Weihnachtsfest ist mittlerweile vorbei, Pflänzli hat seine Christbaumkugel längst wieder abgegeben, draußen herrscht klimagewandeltes Frühlingswetter, ich esse weiter. Kaum nähern sich die in der Adventszeit angelegten Schokoladenvorräte ihrem Ende, muß ich feststellen, daß McDonald's ausgerechnet jetzt mein Lieblings-Aktionsprodukt im gesamten Universum wieder anbietet. Der Big Mac ist zwar der König, der Big Rösti aber der Kaiser, wenn nicht sogar Gott der ungesunden, politisch inkorrekten Ernährung. All mein Hab und Gut gäbe ich für ihn hin! Strenggenommen läuft es genau darauf hinaus - beim stolzen Preis von EUR 3,75 die Einheit, in Worten: Siebenmarkfuffzig. Es kann also nicht ewig weitergehen mit meiner verlängerten Weihnachtszeit, zumal sich ein weiterer Faktor immer mehr in den Vordergrund drängt: Die Dominosteine werden knapp. Es werden zwar noch vereinzelte Restnikoläuse und dergleichen verramscht, aber - weh mir! - kein einziger Dominostein mehr zu finden! Wie kann das sein? Werden die Restbestände am sechsten Januar bei Nacht und Nebel eingezogen, um zu Blätterkrokant für Ostern zermahlen zu werden? Oder zu Halloween-Kürbissen? Ein schwacher Trost bleibt: Bis im Einzelhandel die Vorweihnachtszeit ausbricht, dauert es gar nicht mehr so lange. Ihr leckeren kleinen Schlingel, spätestens im August sehen wir uns wieder!

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1.1.07

Prophet Sachs

Alles, was 2007 sein könnte, war schon 2006.

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21.12.06

Segen der Osterweiterung

Ich hasse den Winter, ich hasse Glühwein. Ganz besonders hasse ich Konsumrummel (sorry, Frank Albrecht) und vor allem Menschenmengen. Warum kriegt mich Renate trotzdem jährlich auf den Weihnachtsmarkt? O Langos, du ungarische Symphonie aus Fett und Teig! Gepriesen sei dein Name! Hilft übrigens - mit reichlich Knoblauch genossen - auch vorzüglich beim Lichten der Menschenmengen.

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19.12.06

Befreie deinen Geist!

Bis Jahresende müssen noch so grotesk viele Dinge erledigt werden, daß ich mich weigere, darüber auch nur nachzudenken. Stattdessen besinne ich mich auf die altehrwürdige Weisheit "Wer nichts macht, macht auch nichts falsch". Diese Maxime bringt nicht nur dringend benötigte Entspannung in den Vorweihnachtsrummel, sie eignet sich auch vortrefflich als guter Vorsatz für das kommende Jahr. Überdies erhoffe mir von ihrer praktischen Anwendung eine nachhaltige Verbesserung meines angeschlagenen Karmas. Es ist so einfach, ein guter Mensch zu sein! Wer Interesse an einer Vertiefung dieser spirituellen Aspekte im Rahmen einer netten kleinen Religionsgemeinschaft hat, möge doch bitte größere Geldbeträge auf mein Konto bei der Sparkasse Heidelberg überweisen. Als Bonus verrate ich dann auch die tieferen Geheimnisse der Verhaltensregel "Wer schläft, sündigt nicht".

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6.12.06

Lebe wild und gefährlich

Heute nacht geträumt, ich säße in der Straßenbahn, und ein Kontrolleur käme herein. War aber kein Problem: Ich hatte eine Fahrkarte. Nimm dies, Freud! Kann man sich einen langweiligeren Traum vorstellen? Wie soll das weitergehen? Demnächst träume ich wahrscheinlich, ich putze mir die Zähne oder gieße die Clivie. Irgendwie muß ich spannendere Stimuli in mein Leben bringen. Vor allem die Lindenstraße aufgeben. Oder endlich einsehen, daß auch in "Lost" strenggenommen nichts passiert. Vielleicht mal Urlaub machen. Mich im Mondschein mit Tierblut einreiben. Pizza mit extra Käse essen. Irgendwie sowas.

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10.11.06

Schuld war nur der Bossa Nova

Es ist so unfair! Da haben wir in Deutschland schon die sichersten technischen Einrichtungen der Welt - beispielsweise das sicherste Stromnetz überhaupt; oder den Transrapid, bei dem Unfälle technisch vollkommen ausgeschlossen sind - und was ist der Dank? Entweder man vertraut erst gar nicht auf die Technik (Das AKW Biblis käme schon ganz gut alleine zurecht, wenn man es ohne diese albernen Notabschaltungen nur machen ließe!) - oder, schlimmer noch, sie muß als Sündenbock für allerlei menschliche Unzulänglichkeiten herhalten. Der Werbespot für den Klingelton "Natascha im Keller" ist auf MTV "nur durch einen technischen Fehler vereinzelt ausgestrahlt worden" (FR 29.09.2006:1)? Wirklich? Gewisse faule Blogger lassen über einen Monat nichts von sich hören, und schuld daran ist natürlich das DSL? Ach ja? Ich glaub das ja nicht ...

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20.9.06

Reden ist Silber

Man kann lügen, aber wenn's dann doch rauskommt, ist meistens der Teufel los, siehe Ungarn. Man kann aber auch die Wahrheit sagen: "Einen gesetzlichen Mindestlohn wird es mit der Union nicht geben. Da können SPD und Gewerkschaften sich an uns die Zähne ausbeißen" (Ronald Pofalla). Wozu sollte das auch gut sein? "Ein Mindestlohn ist wirtschaftspolitisch total falsch" (Ludolf von Wartenberg, BDI; FR 20.09.2006:1). Stattdessen lieber drei Jobs gleichzeitig, um die Blagen zu ernähren, das ist dann wirtschaftspolitisch genau richtig.
Oder man kann schweigen: eine immer mehr in Vergessenheit geratende Tugend. Möglicherweise bleibt mir bald nichts anderes mehr übrig. Übermorgen zieht bei mir endlich DSL ein; der Router ist schon da, der DSL-Splitter und die ominösen Zugangsdaten aus der Bedienungsanleitung nicht. Die Zeit läuft. Mach's gut, Internet, war schön mit dir! Wir sehen uns dann vermutlich im November wieder.

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17.9.06

Das Ende der Geduld (Folge 1085)

Ungewöhnliche Probleme erfordern ungewöhnliche Lösungen. Insofern ist es nur konsequent, wenn George W., der Verteidiger der Freiheit, jetzt auch "die Regeln hinsichtlich der juristischen Auslegung der Genfer Konventionen zum Schutz von Kriegsgefangenen lockern (...), unter Zwang zustande gekommene Aussagen vor Gericht zulassen und Angeklagten als geheim eingestufte Beweismittel vorenthalten" möchte (FR 16.09.2006). Vielleicht übertreibt der Gute es aber auch ein bißchen, wenn schon Colin Powell festhalten muß: "Die Welt beginnt, an der moralischen Grundlage unseres Kampfes gegen den Terrorismus zu zweifeln". Beginnt? So kann man es auch nennen.
In einer Welt, die offensichtlich jeden Tag ein kleines Stückchen wahnsinniger wird, bleibt immerhin noch der Trost der sonntäglichen Lindenstraße; dort passiert wenigstens in der Regel eine halbe Stunde lang gar nichts. Leider trägt auch diese Sendung immer weniger zur moralischen Orientierung in unruhigen Zeiten bei. Nicht nur, daß seit Jahren kontinuierlich das Loblied der gleichgeschlechtlichen Liebe gesungen wird; seit "Tiger" Tom die Freuden des Hanfs entdeckt hat, brennen hier sogar Tüten auf Kinderspielplätzen. Gut, daß es Zuschauerinnen wie Christa gibt. Bereits ihr erster Satz in der Zuschauerpost vom 15.09 - "Heute muß ich auch mal meinen Senf zur letzten Folge dazugeben" - spricht mir aus der Seele, und es geht sogar noch weiter: "Zu Tom möchte ich sagen. Last ihn doch ein sozialen Jahr machen. am besten in einer Entzugsklinik, dann sieht er ja wie weit man mit Rauschgift kommt. So zum Schluß möchte ich noch sagen, daß die Lindenstrasse bitte noch viele Jahre weiterlaufen soll. Was sollen wie denn sonst Sonntagabend machen". Vielleicht mal gemütlich einen durchziehen? Anders ist das ja alles kaum zu ertragen.

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10.9.06

Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen (Rhein-Neckar-Edition)

Der "Wochen-Kurier" macht mich fertig. Früher hoch verläßlich und orientierungsspendend - nahezu keine Woche verging ohne Bashing des Außenministers "Joseph Fischer" und ohne Foto des leider nicht sonderlich fotogenen CDU-Abgeordneten Karl A. Lamers -, erlaubt das Anzeigenblatt seit einiger Zeit nicht nur nachvollziehbare Ansichten im Editorial, sondern verwirrt die Leser zunehmend auch ansonsten mit der Multioptionalität einer pluralen Gesellschaft. Soll man nun die Wahl der Miss Eppelheim besuchen, veranstaltet von der "Guggemusik Eppler-Samba-Hase e.V.", sich in der Friedrich-Ebert-Gedenkstätte über die Verbrechen der Wehrmacht in Polen kundig machen, oder sich doch lieber die eine Seite zuvor besprochene neue Motörhead-CD "Kiss of Death" anhören? Oder sicherheitshalber gleich alles machen?
Noch eine weitere Alternative wurde mir dieser Tage angetragen; eine jener Veranstaltungen, bei denen man hofft, daß irgend jemand (wenn schon nicht man selbst) hingehen möge, weil alles so rührend ausgedacht ist: "100 Jahre Rangierbahnhof Mannheim" werden nächsten Samstag begangen, mit Programmpunkten wie Fahrzeugschau von Feuerwehr, Güterwagen und Lokomotiven, Lokrundfahrt und Stellwerksbesichtigung. Ein herzwerwärmendes Stück "alte Bundesrepublik" (Renate), die man in den Zeiten des globalisierten Wahnsinns doch manchmal arg vermißt. Aber wieso heißen die Stände der Bahn-Betriebskrankenkasse und der Stiftung Bahn-Sozialwerk "Infopoints"? Weshalb prangt auf dem Faltblatt das Logo von "Railion DB Logistics"? Warum ist der Mannheimer Rangierbahnhof das "Herzstück der Produktion im Cargo Zentrum Mannheim", und was ist mit dem Bindestrich des Cargo Zentrums passiert? Vielleicht gehe ich doch hin und finde es raus: 16.09.2006, 11:00-18:00, wie ein von Hand ausgeschnittenes und aufgeklebtes Zettelchen auf dem Umschlag verrät. Alleine schon deswegen.

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23.8.06

Fieber: sinkend

Trotzdem noch zu schwurbelig im Kopf, um einen klaren Gedanken zu fassen. Ich glaub, ich schau ein bißchen RTL2. Oder ich setze mich vor den Schreibtisch und sehe meinem "Dringend"-Stapel beim Wachsen zu. In der Welt der Gremienarbeit gibt es die schöne Kategorie der "Erledigung durch Nichterledigung". Warum passiert mir sowas nie?

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13.8.06

Nur die Wurst hat zwei

Ein schönes Erfolgserlebnis: Ikea gestern erstmals ohne Teelichter verlassen, dafür aber mit 23 Faltschachteln "Pappis" zur temporären Bewältigung meiner erneut überhand nehmenden Ordnungsprobleme. Das Vorhaben, diesmal ohne Köttbullar-Zufuhr am Restaurant vorbeizukommen, ist allerdings grandios gescheitert. Dabei schmecken die Fleischbällchen und das dazu gereichte Rahmsößchen auch bei wohlwollender Betrachtung strenggenommen nach nichts. Was treibt diese Teile trotzdem jedesmal in meinen Magen? Kindheitserinnerungen wahrscheinlich. Viel ist ja nicht geblieben von den scheinbar ewigen Konstanten früherer Jahre: Kanzler Kohl, die Sowjetunion, die D-Mark, eine vernünftige Rechtschreibung - alles futsch, sogar der Papst. Immerhin Castro ist noch am Leben, seit 80 Jahren am heutigen Tag. Die Betonung liegt dabei auf "noch". Köttbullar, haltet wenigstens ihr durch!

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9.8.06

In der Zeitkapsel

Beim halbjährlichen Papierstapelbewegen gefunden: "Die Bücherpost. Anzeiger für Sammler alten Papiers" vom September/Oktober 1999. Aufheben? Wegwerfen? Bei Ebay einstellen für Sammler alten Papiers mit Spaß an Selbstreferenziellem?

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4.8.06

Langer Atem

Hundert Jahre alt zu werden ist gar nicht so schwer, man darf nur nicht vorher sterben. Was tut man nicht alles für eine "vergoldete Silbermedaille" nebst eigenhändiger Unterschrift des bayerischen Ministerpräsidenten (CSU)? Vielleicht schwingt in der knauserigen Wahl des Materials auch ein wenig Tadel für die Verantwortungslosigkeit der Jubilarin gegenüber einer überalterten Gesellschaft mit, die an Honoratioren für dieses gar nicht mehr so seltene Ereignis nur den Bürgermeister (CSU) und die stellvertretende Landrätin (CSU) übrig hatte. Auch der "Gedenkgottesdienst" zur Feier des Ereignisses soll wohl daran erinnern, daß es langsam an der Zeit wäre abzutreten; dezent wurde der Hinweis eingestreut, daß der Herr im Himmel (PDS) meine Großmutter "längst" erwarte. Diese freilich macht keine Anstalten, die Verabredung in absehbarer Zeit einzuhalten, sei es aus "Treue zum Dasein", wie es der Pfarrer formulierte, sei es, um den Schwiegersohn zu ärgern. Nächstes Jahr am vierten August wird sie hundertundeins.

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1.8.06

Hitzefrei

April der grausamste Monat? Blödsinn - dank des Klimawandels wohl eher der Juli. Die Jahrtausend-Sommer häufen sich auffällig, genau wie die Jahrtausend-Fluten. "Unser Lebensstil steht nicht zur Debatte", begründete George W. Bush seinerzeit die Weigerung, sich dem Kyoto-Protokoll zu unterwerfen. Trotzdem dürften einige Änderungen der Lebensstile nicht ausbleiben: auf den untergehenden Inselchen, in den Niederlanden, in New Orleans oder hier in den Heidelberger Sümpfen.
Tätigkeiten, die auch nur entfernt mit der Benutzung des Gehirns zu tun haben, waren mir in der Hitzewelle der letzten Wochen unmöglich. Aus Solidarität fand es auch das Netzteil meines Rechners zu heiß; der Ventilator war jahreszeitlich passend in Streik getreten. Beim Entkabeln und Wiederverkabeln eines mit gefühlten siebenunddreißig Komponenten verbundenen Computers, beim Basteln in seinen Eingeweiden, während Schweiß auf die elektronischen Bauteile tropft, beim Sichern all der Daten, die sich im Laufe eines Benutzerlebens ansammeln ("Verbleibende Zeit: 2892467 Minuten"), bleibt viel Zeit zur Kontemplation, und in mir reifte der Entschluß, den verbleibenden Juli zu boykottieren. Also geschah es. Gerade wurde ich aus dem Standby-Betrieb geweckt, und ich stelle fest: Es ist August, es regnet, alles wird gut.

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16.7.06

The times they are a-changing

Da mir die Gabe der Bilokation leider verwehrt blieb, muß ich mich entscheiden: Loveparade in Berlin oder der Schleppertreff in Widdern/Jagst (1500 Einwohner)? Bei letzterer Veranstaltung lassen sich nicht nur über hundert Oldtimer-Traktoren bewundern, auch "für das leibliche Wohl ist bestens gesorgt", wie die Ankündigung verspricht. Und tatsächlich: Samstag: 16.00: Schleppertreff, ab 19.00: Spanferkel, Steaks und Würste; Sonntag: 9.00: Frühstück, ab 11.30: Steaks und Würste. Ein klarer Fall also, außerdem läßt sich die Loveparade im Gegensatz zum Spanferkel auch im Fernsehen nachvollziehen. Aber was ist das? Berufsjugendliche Moderatoren begrüßen mich in bester Stefan-Raab-Manier mit "Meine Damen und Herren" - bei der Loveparade? Auf RTL2? Hallo? Dazwischen Werbung für Abwehrkräfte und Familienzubehör - unter Dr. Motte hätte es das nicht gegeben! Wieder einmal beweist sich: Die Zeiten ändern sich, und wir uns mit ihnen. Neospießer überall.

Juli 2006, 20 Jahre efc news: ein feiner Anlaß, sich in den folgenden Wochen über das Thema Zeit Gedanken zu machen. Auch wenn die antiken Traktoren über diese Zeitspanne wohl eher müde lächeln dürften - genau wie Widdern, erstmalig urkundlich erwähnt im Jahre des Herrn 774, Jahrhunderte früher als der Emporkömmling Berlin. Zur Stadt erhoben wurden beide ungefähr zur selben Zeit, im 13. Jahrhundert; seither haben sich die beiden Gemeinden ein wenig auseinander entwickelt. Denn in Widdern gibt es den Schleppertreff. In Berlin nicht.

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14.6.06

Fischer ist warm

Obgleich ich ein großer Freund von Sonne und Wärme bin, kann ich mich dem Eindruck nicht verschließen, daß es nicht heiß, sondern zu heiß ist. Der Sommer zeigt sich von seiner klebrigsten Seite - die Schuhe am Asphalt, das durchgeschwitzte Hemd am Leib: alles pappt. Absurde Zahlen auf den elektronischen Temperaturanzeigen. Was tun? Ein Besuch im Schwimmbad verbietet sich mir aus Gründen der Eitelkeit; der einzige Mensch, von dem ich sicher weiß, daß er meinen für den Sommer schlecht vorbereiteten Körper schon irgendwie okay findet, ist nicht da, und alleine traue ich mich nicht. Zurück in die Wohnung? Ich lebe im Dachgeschoß; genauso gut könnte ich ins Innere der Sonne wollen. Stattdessen flüchte ich mich in den Bus und fahre sinnlos in der Gegend herum - hier gibt es nämlich eine Klimaanlage. Welch Erfrischung! Welch angenehme Kühle! Wie konnte ich jemals etwas Schlechtes über die Heidelberger Straßen- und Bergbahn sagen, ja auch nur denken? Die ewigen Verspätungen, die sadistischen Busfahrer, das gehört doch alles letztlich zum Lokalkolorit. HSB, ich liebe dich! Und ich will nie wieder aussteigen!

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31.5.06

Zug nach nirgendwo

Die Aussicht, durch Fulda zu fahren, versetzt mich in solch unbeschreibliche Lethargie, daß ich mich nicht aufraffen kann, mein Buch aus der Reisetasche zu kramen. Auf der Suche nach anderweitiger Lektüre entscheide ich mich spontan gegen das im Zug ausliegende RapsMagazin ("Das Magazin der Union zur Förderung von Öl- und Proteinpflanzen"). Nicht wirklich kurzweilig ist auch der "Reiseplan", obwohl mich dort der "MasterCard-Botschafter" Jürgen Klinsmann auffordert: "Begleite unser Team während der FIFA WM 2006™!" So sehr ich mich freue, daß die Botschaft der MasterCard in alle Welt verbreitet wird (wer braucht schon die UNICEF?), frage ich mich doch, wie man "™" ausspricht. Aber Klinsmann lebt ja auch in Kalifornien. Am Ende läuft alles auf das bewährte Bahn-Magazin "mobil" hinaus, welches - immer auf der Höhe der Zeit - mit einem Extra zur WM aufwartet. Interessant, wie hier (mobil 05/2006:82/83) der Frauenfußball gegen den chauvinistischen "Geist von 1850" verteidigt wird, demzufolge "Sport allgemein die Frauen vermännliche, die Heiratschancen mindere und die Gebärfreudigkeit einschränke". Das alles hat sich nämlich "nicht bewahrheitet"! Und heute, in unserer aufgeklärten Zeit, sieht natürlich alles ganz anders aus:
"Während die ersten Kickerinnen Anfang der 70er noch wie Landpomeranzen daherkamen, sind die Mädchen und Frauen heute absolut en vogue. Vor TV-Interviews werden Lippen und Lidstrich nachgezogen, die Trikots sind meist von neuestem Chic. Silke Rottenberg, Torhüterin des Weltmeisterinnen-Teams: 'Das Aussehen ist wichtig geworden. Seit ein paar Jahren lege ich Wert darauf, nicht mehr so maskulin zu wirken. Früher dachte ich: Hauptsache, ich kann Fußball spielen.' Dass sie das beherrscht, bezweifelt schon lange keiner mehr, aber seit das Fernsehen den Fußballfrauen so nahe rückt, sind natürlich auch noch andere Ansichten interessant."
Ja, das ist Gleichberechtigung, wie wir sie lieben, vor allem, wenn die Fußballfrauen "sich nach erfolgreichem Torschuss gleich den Männern das Trikot vom Leib reißen. Wie die US-Amerikanerin Brandi Chastain, die sich nach verwandeltem Elfmeter im WM-Finale 1999 entblößte und einen perfekt sitzenden Sport-BH präsentierte - in erotischem Schwarz". Noch Fragen? Danke, Wolfgang Golz, für diesen wunderbaren Artikel. Er gibt mir nämlich genug Energie, um doch noch mein Sudoku-Heft herauszusuchen. Dabei wird es einem nicht ganz so schlecht.

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16.5.06

Lob der Taubheit

Die Schnelligkeit und Konsequenz, mit der sich die westlichen Gesellschaften vollends in Überwachungsstaaten verwandeln, gibt Anlaß zur Sorge. Dem bespitzelten Bürger bleibt immerhin ein schwacher Trost: Das Mithören von Gesprächen macht ganz und gar keine Freude, wie sich immer wieder an beliebigen öffentlichen Orten feststellen läßt. Vor allem die Verbreitung des drahtlosen Telefonierens scheint der Sinnlosigkeit menschlicher Kommunikation völlig neue Dimensionen eröffnet zu haben. Besonders hart wird es jedoch dann, wenn sich die sinnfreien Beiträge aller beiden Gesprächspartner gleichzeitig mitverfolgen lassen. Im Zeitalter der "und-isch-dann-so-und-dann-er-so"-Gespräche (Jörg Schneider) dürfte exzessives Abhören mittelfristig zu erheblichen Schäden der geistigen Gesundheit führen. In diesem Zusammenhang stellt sich mir die Frage, warum es einem unbarmherzigen Schicksal in letzter Zeit immer öfter gefällt, mich in Straßenbahnen neben jungen Damen zu plazieren, deren gesamte Unterhaltung sich darin erschöpft, wo und wann bestimmte Kleidungsstücke eingekauft wurden und welche noch zu erwerben seien. Kinder, Küche, Klamotten - eine nachwachsende Generation aus Weibchen? O Feminismus, bitte komm zurück!

P.S.: Montägliche SPIEGEL-Fotoauswertung: Roland Koch : nackte Frauen = 2 : 2

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9.5.06

Shiny happy people

Alles so furchtbar positiv heute! Der Tag beginnt bereits gutgelaunt mit der Rundschau-Schlagzeile "Deutschland sorgt für Schwung in EU". Wirtschaftswachstum! Glückseligkeit! Eine Meldung, wie sie vor einem Dreivierteljahr, sprich: vor der Merkelkanzlerin undenkbar gewesen wäre - und das, obwohl außer einem Wechsel der Regierungsköpfe überhaupt nichts passiert ist! Von Kleinkindern und von der deutschen Wirtschaft lernen heißt siegen lernen: Man muß nur genug jammern, dann kriegt man am Ende, was man will. Ein Erfolgsrezept für die bevorstehende WM?
In diesem Sinne geht der Tag gleich weiter mit dem evangelischen Magazin "Chrismon", das munter aus der Zeitung plumpst, und siehe da: ein Sonderheft zur Fußball-WM; auf dem Titel: "Jungs, ihr schafft das"! Chrismon zur WM - ein langgehegter Traum wird wahr! Meine Laune wird so fröhlich, daß ich sogar meine übliche Abneigung gegen kommerziellen Telefonmißbrauch vergesse und bereitwillig an einer Umfrage zur Kundenzufriedenheit mit dem Pizzalieferdienst Joey's teilnehme. Die Schwachsinnigkeit der zahlreichen Fragen variiert erheblich. Am schönsten fand ich "Wie verbunden fühlen Sie sich mit Joey's?" Soviel Romantik berührt mein Herz, und ich muß eingestehen: Ja, ja, ich fühle mich verbunden mit Joey's! Ja, ich fühle mich verbunden mit der Welt! Es ist Frühling, ich liebe euch alle! Dann setzt allerdings der Heuschnupfen wieder ein, und alles ist wie gehabt.

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5.5.06

Kindermund

So schlimm kann's mit dem demographischen Wandel nicht sein: Die Stadt voll Brut; im Eiscafé vorhin drei Erwachsene mit mehr als der doppelten Anzahl kreischender Bälger gleichzeitig eingelaufen. Die Gespräche drehten sich im wesentlichen um bevorstehende Heiraten von Bekannten. Hat Frau von der Leyen schon gesiegt?

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28.4.06

Himmlische Heerscharen flying free

Von den Zeugen Jehovas aus dem Schlaf geklingelt. Vor lauter verpennt ganz vergessen, unhöflich zu sein, außerdem waren die Damen wirklich sehr nett. Ich war ohnehin froh, es nicht wieder mit abschlußorientierten Direktvertriebspartnern der Telekom zu tun zu haben, die nachsehen wollen, ob mein Tarif schon umgestellt ist. Zum Dank ein "kleines Traktat" bekommen, und was muß ich da sehen? "Alles Leid wird bald enden"! Die irdischen Königreiche zermalmt? Nie wieder Lindenstraße? Ich bin sofort dabei!

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27.4.06

Communication Breakdown

Ich weiß nicht, wie viele Wörter ich im Lauf meines mehrere Jahrzehnte umfassenden Lebens in Schreibmaschinen und Computertastaturen getippt und auf Papier gemalt habe - in Aufsätzen, Arbeiten, Notizen, Listen, Klausuren, Geschichten, Korrespondenz, nicht zu vergessen auch die gefürchteten Stellungnahmen der Fachschaft Soziologie. Aber es waren viele, und ich bilde mir ein, auch viele verschiedene, selbst wenn man die fallweise vom Word-Thesaurus (Shift-F7, bei den Stellungnahmen schätzen gelernt) vorgeschlagenen Synonyme außer Konkurrenz laufen läßt. Umso erschütterter bin ich jedes Mal, wenn die automatische SMS-Texterkennung meines Mobiltelefons bereits im voraus genau weiß, was ich sagen möchte. Sollte tatsächlich mein gesamter Wortschatz in einem kleinen, bei Ebay ersteigerten Kästchen wohnen? Gut, daß es Tammo Sachs gibt, der neulich versuchte, mir per SMS einige grundlegende Unterschiede zwischen Kerry King ("spannend"), Jeff Hanneman ("Stümper") und Kirk Hammett ("Schwuchtel", "Latino") zu erläutern. An der Welt der Metal-Gitarristen biß sich mein T9 die Zähne aus, allerdings auch nur knapp ("Jerry King", "Jeff Hannenan", "Kirk Hanneut"). Immerhin "Schwuchtel" hätte gar nicht funktioniert, wie ich eben überprüft habe: Nach "schwüchte" folgt ein politisch korrekter empörter Warnton, und die weitere Eingabe wird verweigert. Ist aber auch schon ein älteres Modell.

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18.4.06

Nobody knows the trouble I've seen

Ostern vorbei, Jesus immer noch tot. Mehr dazu in Bälde bei Popetown. Breaking News kommen hierzulande aus der Lindenstraße: Der unausstehliche Nico (Nomination für den schlechtesten öffentlich-rechtlichen Kinderschauspieler läuft) und Lea haben das Seifenkistenrennen gewonnen. Beide! Damit wäre wohl endgültig Marc-und-Penny-Niveau erreicht. Und ich weiß, wovon ich rede. Jawohl, ich bekenne hiermit: Ich sehe mir nicht nur jede Woche die Lindenstraße an, in voller Länge bis zum Geräusch am Ende, sondern lese auch jedes verfügbare neue "Marc & Penny"-Heft und pflücke obendrein monatlich voll Begeisterung Chrismon, das evangelische Magazin, aus meiner Zeitung. Niemand zwingt mich - ich bin weder evangelisch noch Kunde der Volksbank. Das muß kultureller Masochismus sein. Ist sowas heilbar? Oder ist meine vollständige Verblödung unabwendbar? Stay tuned!

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10.4.06

Verlautbarungen des Grauens

Beim Aufräumen gefunden: Magdalena Brzeska gratuliert der BARMER zum "Superbrand 2005" (BARMER Magazin 4/2005). Ich dachte, Krankenkassen wären eher gegen Alkohol? Interessanter dagegen ein Werbezettel der "Tagespost", die allein schon ihr genialer Slogan "Unsere Sprache: katholisch" sympathisch macht. Glaubt man der Eigenwerbung der Tagespost ("ein klares katholisches Profil ... eine kirchliche Position in Einheit mit dem Papst und den Bischöfen"), so finden sich dort nicht nur "fundierte, exzellent recherchierte Beiträge, die stets als seriöse Informationsquelle dienen", sondern auch "alle wichtigen Dokumente aus Rom - und das sofort und im vollen Wortlaut"! Dafür leistet sich die Tagespost sogar einen "eigenen Übersetzungsservice", der garantiert, "dass Sie unmittelbar mit allen Verlautbarungen des Vatikans versorgt werden". Ein wirklich verlockendes Angebot! So sehr ich auf Verlautbarungen stehe, fürchte ich doch, daß ich mit Rücksicht auf meine ausgeschöpften Papierlagerungsreserven die ausgestreckte Hand der Tagespost zurückweisen muß. Ein Grund mehr, der für den Online-Journalismus spricht: Die Verwaltung des ganzen Informationsmülls ist viel einfacher. "Wollen Sie diesen Ordner wirklich löschen?" "O ja, ja, ich will!"

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7.4.06

Sympathy for the devil

Warum wird eigentlich bei Straßenbauarbeiten, die vor deinem Fenster stattfinden, der Preßlufthammer ausschließlich in den frühen Morgenstunden eingesetzt, während der Rest des Tages weitaus leiseren Tätigkeiten gewidmet ist, etwa dem Streicheln des Straßenbelags mit einer Daunenfeder? Gibt es dafür einen okkulten logistischen Grund? Ist das die Rache an den Langschläfern dieser Welt oder einfach Tradition?
Früher dachte ich als aufrechter Linker, die Zuordnung eher unterer Schichten zu den besonders geräuscherzeugenden Berufen (Bauarbeiter, Müllmann, Bedienung von lärmigen Fertigungsmaschinen usw.) wäre nur ein Beispiel für die allgemeinen Ungleichheiten in der Arbeitssituation: laut, gefährlich, schlecht bezahlt, ein Fall für die Gewerkschaft also. Mittlerweile schreit in mir aber ein kleines Teufelchen: "Diese Schichten machen einfach gerne Krach! Fahren Akademiker aufgetunte Autos und Motorräder mit lärmoptimierten Auspuffanlagen? Apropos Autos: Sind bis zum Anschlag aufgedrehte Autoradios vielleicht nicht schichtspezifisch? Wer hat denn die ganz großen Subwoofer? Und warum kommt aus den besonders nervigen iPods nie Brubeck oder Bach? Dabei sind iPods noch die zivile Variante! Hast du dir jemals die Kiddies angeschaut, die GHETTOBLASTER mit Hip Hop und Türkpop in der Straßenbahn mit sich führen? Und die Besoffenen, die so RICHTIG laut grölen ..."
Spätestens an diesem Punkt ist es sinnvoll, das Teufelchen zu unterbrechen. Dazu genügt der Einwand: "Hör mir auf mit Schichten. Ich verdien doch auch nix". Dann ist es still.

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2.4.06

Einkaufen mit Westerwelle

Gestern im Handelshof: SCHON WIEDER alles umgestellt! Langsam frage ich mich, ob da nicht System dahintersteckt. Vielleicht hat die Verkaufspsychologie entdeckt, daß häufiges Umräumen den Verbraucher dazu anregt, bei der Suche nach seiner Tütensuppe die Warenwelten des entsprechenden Supermarktes neu zu erkunden? Bei einer Disziplin, die sich überlegt, welche Duftstoffe wann am besten ausgebracht werden sollten, um dem mündigen Konsumenten noch mehr Geld aus der Tasche zu ziehen, würde mich das nicht besonders wundern. Der Handelshof (Lidl & Schwarz) ist mir sowieso verdächtig, seit die Kassiererinnen dort vorgeschrieben bekommen, beim Bezahlen die hundsblöde Ami-Frage "Waren Sie zufrieden mit Ihrem Einkauf?" zu stellen. Was soll man da antworten? "Nein, der tiefgefrorene Rosenkohl hat mich angefallen?"

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31.3.06

Trödeln 2.0

Most of the time, sagt Max Barry in "Jennifer Government", being a writer means sitting in front of a computer and fighting against the urge to play Minesweeper. Aber gilt das nicht eigentlich für das gesamte Leben in den technisierten Dienstleistungsgesellschaften des 21. Jahrhunderts, zumal wenn man "Minesweeper" durch "Spider Solitaire" ersetzt? Am Donnerstag steht mir der freundliche Heizungsableser der teha GmbH ins Haus, der bereits einigen Kummer gewöhnt ist. Dieses Jahr geht es allerdings darum, die Heizungen hinter Stapeln von Papier und uralter Hardware überhaupt erst zu finden. Trotzdem frage ich mich hauptsächlich, ob es nicht doch möglich ist, aus diesem Ding mehr als 1210 Punkte herauszuholen. Mist ... fehlt mal wieder eine schwarze Acht ...

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26.3.06

Lieb Vaterland, magst ruhig sein

Der Wahl-O-Mat ist sich nicht sicher, ob ich die Partei bibeltreuer Christen oder die APPD wählen soll. Ich bin verwirrt, bleibe zuhause und trinke.

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23.3.06

Es ist eine harte Mann's Leif (Benny Hill)

Tagelange Müh & Plage, um die verstaubte Webseite wieder auf Vordermann zu bringen - nur um festzustellen, daß noch auf ca. 237 anderen Seiten Hitler, Pol Pot und Milli Vanilli zusammen vorkommen. Offenbar ist wirklich alles schon gesagt worden, vielleicht sogar schon von jedem.

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So jung ...

Ich stelle bei der "Charts Show" auf RTL erfreut fest, daß Ian Anderson trotz sichtlich fortgeschrittenen Alters noch imstande ist, Töne zu erzeugen, wenngleich Oliver Geißen mit ihm hauptsächlich über gesundheitliche Probleme sprechen möchte. Kurz vorher gelesen, daß Hans-Jochen Vogel und Frau jetzt in ein Altersheim gezogen sind: "Man sollte diesen Schritt tun, solange man noch einigermaßen beieinander ist." Guter Punkt! Ich denk drüber nach.

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14.3.06

Zweitausendundsechs

Okay, "kleine Pause" beendet. Danke Erasco! Danke "Heiße Tasse"!

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29.10.04

Packungsaufschrift of the day

"Wer täglich alles gibt, hat auch eine kleine Pause verdient", schreibt mir die "Heiße Tasse" von Erasco. Ich habe heute keinesfalls alles gegeben; dazu hätte ich schon alleine viel früher aufstehen müssen. Darf ich nun keine heiße Tasse trinken? Man sollte sich abgewöhnen, Packungsaufschriften zu lesen, das macht schlechte Laune, die man gerade in den kalten dunklen Wintermonaten schlecht brauchen kann. Andererseits sollte man sich vieles abgewöhnen, das Kettenrauchen etwa oder die sonntägliche Lindenstraße. Und was tut man davon? Ich für meinen Teil: Nichts. Was zumindest im Fall der Lindenstraße absolut unverzeihlich ist.

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