28.2.07

Schöne neue Welt (3)

"Manchmal fördert ein Zufall wissenschaftliche Erkenntnisse: In diesem Fall hatte ein Kettenraucher einen Schlaganfall erlitten. Durch den Schaden im Gehirn erlosch bei dem Mann jegliches Verlangen nach Tabak. (...) Untersuchungen ergaben, dass der Schlaganfall die Insula beschädigt hatte. Diese Region der Großhirnrinde setzt Signale des Körpers in subjektive Gefühle wie Hunger, Schmerz oder Verlangen um. (...) Die Forscher hoffen nun, dass das Ergebnis ihrer Studie den Weg zu einem pharmakologischen Wirkstoff weisen könnte, der auf die Insula wirken und damit das Verlangen nach Nikotin unterdrücken könnte." (Welt.de)

"Die große Frage, so erklärte Nora Volkow vom amerikanischen National Institute on Drug Abuse der New York Times, sei: 'Können wir lernen, die Insula abzustellen?'" (Süddeutsche.de)

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27.2.07

New Blogger (inkl. Technogelaber)

Ich habe es so lange herausgezögert, wie es ging, aber da Blogger mich seit Sonntag gar nicht mehr in meinen alten Account läßt, mußte ich schließlich einen Pakt mit dem Bösen eingehen und mir zumindest übergangsweise einen Google-Account zulegen. Kein schönes Gefühl, bei einer Firma persönlich vorstellig zu werden, die sich in punkto Datenhunger mit der NSA messen kann. Alleine beim Lesen der Übersicht über Googles Datenschutzpolitik dürften sich jedem die Zehennägel nach oben biegen, der schon mal etwas von informationeller Selbstbestimmung gehört hat.
Aber ich will ja nicht undankbar sein. Immerhin war es die Google-Toolbar, die mich seinerzeit zum Bloggen gebracht hat. Und es gibt auch zumindest ein (sprich: genau ein) Feature beim neuen Blogger, das ich gut brauchen kann: Tags ("Labels") für die einzelnen Einträge. Schön, daß man darüber sogar was bei den "Known Issues for the New Blogger" lesen kann: If you use a classic template, the labels pages will only display the last 20 posts for each label, with no link to view older posts. If you switch to a Layouts template, you will automatically get "older posts" links to go back through each set of labels. So ein Vorlagenwechsel bietet auch noch andere Vorteile, denn mit der klassischen Vorlage there is no tag for adding all your labels to your sidebar. To use the sidebar labels widget, you'll have to switch to a Layouts template.
Das überzeugt, zumal ich sowieso demnächst das mitgelieferte Template durch ein selbst erstelltes ersetzen wollte, das kann ich genausogut mit dem neuen Layout-System tun. Nur leider hören die Known Issues hier noch nicht auf: The new drag-and-drop template feature, Layouts, is not available for blogs published via FTP. Because Layouts relies heavily on new Blogger’s dynamic serving of pages, this is unlikely to be supported soon if ever. Danke für Ihr Verständnis. Also: Label-Liste von Hand erstellen, OK. Aber nur zwanzigmal Antiamerikanisches verbreiten? Das wird hart!
Was bleibt? Das hier: Kommentare erscheinen jetzt sofort auf der Seite, nachdem sie gepostet wurden. Die Spambots wird's freuen. Und Nichtraucher sowieso.

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24.2.07

Die Grenzen der Toleranz

Hurra, das Rauchverbot in der Gastronomie kommt doch! "Bravo, es geht doch", freut sich die Rundschau (24.02.2007:3). Um den Nichtraucherschutz geht es dabei schon lange nicht mehr, es geht gegen die Raucher. Oder warum maßt sich der Staat sonst an, öffentlichen (und demnächst privaten) Bediensteten das Rauchen in ihren eigenen Büros zu verbieten? Der SPIEGEL (7/2007:9) weiß mal wieder mehr: "Es könnte, wenn Vernunft die Grundlage der Politik wäre, recht einfach sein: Rauchen bringt in Deutschland jährlich rund 130.000 Rauchern den Tod, ein konsequentes Nichtrauchergesetz (sic) würde die Zahl der Tabakopfer reduzieren". Warum beschleicht mich der Verdacht, daß es ausschließlich Nichtraucher sind, die solche Sätze formulieren? Warum nur habe ich das Gefühl, daß die nicht enden wollende Anti-Raucher-Kampagne vor allem die hierzulande so beliebte Haltung des Auf-dem-Sofa-Sitzens-und-Übelnehmens institutionalisieren will? Witzig ist es, daß zur Zeit in den deutschen Feuilletons eine Debatte um die Toleranz geführt wird: Keine Toleranz der Intoleranz von Fundamentalisten! Gemeint sind islamische Fundamentalisten. Nicht gemeint sind Nichtraucher.

Es ist ja auch so schön, anderen Leuten etwas zu verbieten, was man selber gar nicht machen will, das befreit. Auch frustrierte Politiker, die wegen dem ganzen Globalisierungskram und so zunehmend handlungsunfähig werden. So ein nettes kleines Verbot zwischenrein kommt da immer gut. Vordergründig geht es natürlich um hohe Werte: die Volksgesundheit, ein Dauerbrenner seit 1933, und natürlich der Schutz der armen, unschuldigen Kinder. Um junge Menschen vor den schlimmen "Killerspielen" zu schützen, würde Beckstein sie am liebsten auch gleich den Erwachsenen verbieten, sicherheitshalber. Schön für die große Koalition, daß solches Denken volksparteienübergreifend funktioniert: Die Bundesdrogenbeauftragte Bätzing läßt schon mal prüfen, "ob und wie es möglich ist, Rauchen beim Autofahren zu verbieten". Klar wäre das ein Eingriff in die Privatsphäre, "aber wir müssen uns ernsthaft fragen, ob Verkehrssicherheit und Gesundheitsschutz nicht höher zu bewerten sind" (FR 19.02.2007:4). Die Privatsphäre ist heutzutage sowieso nicht mehr allzuviel wert, wie die Herren Schäuble und Schily gerne bestätigen können. Und ist privates Kiffen vielleicht erlaubt? Eben! Naturlich läßt Bätzing es sich nicht nehmen, nochmal eigens darauf hinzuweisen, wie verantwortungslos jemand handelt, der mit Kindern im Auto sitzt und raucht. Die gute Frau ist zwar nochmal zurückgepfiffen worden, aber ihre Argumente haben schon etwas für sich. Tja, die Kinder ...

Schade, daß die Autolobby so stark ist, sonst müßte man das Autofahren auch gleich verbieten. Wenn nur Vernunft die Grundlage der Politik wäre! Schließlich werden jedes Jahr ganz viele Kinder totgefahren, und andere Leute auch. Und die Autoabgase (stark konzentriert vor allem in Kleinkindhöhe) sind auch nicht gerade volksgesundheitsfördernd. Überhaupt - dient Autofahren nicht nur dem Zweck, woanders hinzukommen? Dabei lauern die schlimmsten Gefahren für Leib und Leben vor der Haustür! Rausgehen ist insgesamt ungesund, gerade für Kinder. Was kann da nur alles passieren! Also: Vernunft zur Grundlage der Politik machen und das Verlassen der Wohnung verbieten. Gesundheitsschutz geht vor! Und weil es drinnen auch nicht ganz ungefährlich ist, sollte man die Leute am besten auf ihren Betten festschnallen und mit schadstoffarmen Breichen füttern. Dann endlich wäre die Welt vollständig kindgerecht, dann lohnte es sich zu leben. Das sind wir den kommenden Generationen doch schuldig.

Neu! Jetzt noch unausgewogener! Der geneigte Leser findet eine erweiterte Fassung hier. Irgendwie habe ich den Eindruck, daß einige den Abdruck in der taz schon kennen.

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23.2.07

Ach nee

Cannabis beeinflußt die Geruchswahrnehmung - dazu braucht es mittlerweile Molekularphysiologen, um das rauszukriegen. Neu war mir allerdings, daß die Empfindlichkeit menschlicher Sinnessysteme auch durch körpereigene Endocannabinoide verstärkt wird. "Dass körpereigene Cannabinoide Einfluss auf die Geruchswahrnehmung haben, ergibt Sinn, wenn man frühere Studien berücksichtigt, die gezeigt haben, dass im Gehirn von Tieren erhöhte Cannabinoid-Werte gemessen wurden, wenn sie Hunger hatten". Moment mal? Cannabinoide? Hunger? Ich dachte immer, das mit den Munchies funktioniert andersrum ...

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14.2.07

Blue Valentine

Keine zwei Wochen ist das Tape am linken Fuß ab, da renne ich mit dem rechten gegen den Türrahmen. Der zweitkleinste Zeh sieht mich vorwurfsvoll und ganz blau an. Natürlich wäre die Wohnung leichter zu durchqueren, wenn nicht überall Krempel herumliegen würde. Aber deswegen gleich aufräumen? Niemals! Nicht solange ich noch Zehen habe!

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9.2.07

Schöne neue Welt (2)

"Was wir uns insgeheim vornehmen, bleibt anderen Menschen verborgen, bis wir unser Vorhaben in die Tat umsetzen - so glauben wir zumindest. Im Rahmen eines klar definierten Versuchsaufbaus ist es nämlich Wissenschaftlern jetzt gelungen, die Absichten ihrer Versuchspersonen schon im Voraus zu entschlüsseln. Dazu ließen sie die Probanden zwischen zwei möglichen Entscheidungen frei wählen. Die Versuchspersonen sollten sich vornehmen, bei einer Rechenaufgabe zwei Zahlen entweder zu addieren oder zu subtrahieren. Und noch bevor die Probanden die Zahlen zu sehen bekamen und zu rechnen begannen, konnten die Wissenschaftler mit 70-prozentiger Genauigkeit die Absicht der Probanden erkennen - allein anhand ihrer Gehirnaktivität." (MPG)

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8.2.07

Zauberhafte Momente voller Katatonie

Kann es Schlimmeres geben als die "Oasen der Energie" von Duschdas? Schlimmeres sogar noch als das "cremige Geheimnis weisser Schokolade"? Es kann.
"Basilikum, die Königin der Küchenkräuter, lädt ein zum Tanztee und alle, alle kommen: Zimt, Ingwer, Kardamom, die Weisen aus dem Morgenlande bringen ihre würzig warmen Düfte. Eine Prise mexikanischer Chili entfacht unsere inneren Feuer. Ägyptisches Süßholz schmeichelt den Sinnen. Zauberhafte Momente voller Lebensfreude, Wärme und Behaglichkeit führen uns zurück auf die Bühne des Lebens."
Und das alles bei einem Tee, der angeblich die Lebensfreude wecken soll. Da trifft Tammo Sachsens SMS-Resümee des gestrigen Fußballspiels Deutschland-Schweiz doch weitaus mehr den Punkt: LIVE SUFFER DIE!

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