30.5.07

Abschied

Warum muß ich eigentlich nach all den Jahren immer noch jedes Mal ein bißchen heulen, wenn jemand aus der "Lindenstraße" stirbt? (Ausnahmen: Franz Schildknecht, Maxl Zenker.) Gott, ist das peinlich - solche emotionalen Aufwallungen hat diese grottenöde Serie eigentlich nicht verdient. Dabei gäbe es wirklich etwas zu betrauern, nämlich das Ende der Frankfurter Rundschau, wie wir sie kennen. Ich habe den Beteuerungen, inhaltlich würde sich mit dem neuen Tabloid-Format (*schauder*) nichts ändern, nie Glauben geschenkt - zumal gleichzeitig immer wieder auch so furchtbare Sätze wie dieser zu hören waren: "Wir wollen weg von der Schwermütigkeit und dem Pessimismus. Wenn über Probleme berichtet wird, wollen wir gleichzeitig Lösungen aufzeigen und Experten zu Wort kommen lassen, die nach vorne blicken und sich engagieren". Daß das neue Layout mit den vielen bunten Bildern und neuen Schrifttypen fatal an eine Gratiszeitung für Pendler erinnert (inkl. Todsünde: fehlender Lead vor den Artikeln), ist nur der Anfang. Früher hat es zwar einige Zeit und Mühe gekostet, sich durch die FR zu arbeiten, aber wenn man das geschafft hatte, konnte man sicher sein, nichts Wesentliches vom Tag verpaßt zu haben. Heute war ich schneller mit der Rundschau fertig (56 halbe Seiten) als mit der taz (20 Dreiviertelseiten). Alle Achtung! Wahrscheinlich beabsichtigt, daß nix Wichtiges mehr drinsteht: So bleibt dann auch mehr Zeit zum Nach-vorne-Blicken.

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29.5.07

Der war gut!

Wenn es auf dieser Welt mit rechten Dingen zuginge (was es definitiv nicht tut), würden Sätze aus Politikermund, die mit "Zur Bekämpfung des Terrorismus ist es notwendig, daß ..." beginnen, niemals zu Ende gesprochen werden, weil spätestens an dieser Stelle lautes Gelächter einsetzte ob dieses arg durchschaubaren Tricks. Terrorismus als Begründung für die Einschränkung von Freiheitsrechten oder sonstige Fiesheiten ist ein so alter Hut, daß man schon in Orwells 1984 nachlesen kann, wie so etwas geht. Wenn es auf dieser Welt mit rechten Dingen zuginge, würde sich ferner jeder dem gnadenlosen Spott aussetzen, der zum Schutz der armen Kinder und Jugendlichen den Erwachsenen irgendetwas verbieten möchte. Oder leuchtet irgendwem ein, daß ich in meiner Wohnung nicht kiffen darf, damit an Schulen kein Heroin vertickt wird?

Immer gut für derart Abseitiges ist die unermüdliche Drogenbeauftragte Sabine Bätzing, die nun nach dem Verschwinden der Raucher das Verschwinden des Rauchens aus der Kultur vorantreiben möchte: Bei einem "Gipfeltreffen" der Verantwortlichen der Privatsender und öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten sollen die "Möglichkeiten einer freiwilligen Selbstverpflichtung der Fernsehmacher ausgelotet werden, um das Rauchen sowohl aus dem Fernsehen als auch aus Filmen zu verbannen" (via Nachrichten.ch). Das Ganze selbstredend mit den ewiggleichen Argumenten: "Rauchen im Film ist ein Risikofaktor für den Beginn des Rauchens bei Kindern und Jugendlichen". Das hat sie schon gebracht, als es um ein Rauchverbot in Privatautos ging, und was auch immer ihr als Nächstes einfällt, Kinder und Jugendliche werden drin vorkommen.

In den USA ist man wie üblich schon weiter: Zigaretten werden nachträglich aus Fotos und Filmen retuschiert; der Aschenbecher auf dem Foto im Editorial der "Vanity Fair" hat bereits viel Strafgeld gekostet. Wem das Zurechtzimmern der Vergangenheit aus den Erwägungen der aktuellen Politik heraus, wem die künstliche Vernichtung einer gewachsenen Kultur nicht stalinistisch vorkommt, ist gut beraten, ebenfalls noch einmal einen Blick in den guten alten Orwell zu werfen.

Schwacher Widerstand kommt bis jetzt allenfalls von ARD-Programmdirektor Struwe, der einwendet, "dass in realistischen Milieuschilderungen nicht immer auf Rauchszenen verzichtet werden könne". Damit wird er nicht weit kommen. Was haben solche Milieus überhaupt im Fernsehen verloren? Es könnten ja Kinder zusehen! Dann doch lieber 24 Stunden lang Teletubbies für alle. Darauf läuft es auch hinaus, wenn nicht endlich jemand den Mut findet, die Bätzings dieser Welt einfach laut auszulachen, sobald sie auf die Kinder-Tränendrüse drücken.

Leider lacht keiner. Und irgendwann lacht dann wirklich niemand mehr.

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26.5.07

Motivation

"Ein Arbeiter im Osten Indiens ist von seinem Arbeitgeber enthauptet worden, weil er es versäumt hatte, die Kühe zu melken" (Rheinpfalz am Sonntag). Die Börsenwerte des Unternehmens sind vermutlich schlagartig gestiegen.

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21.5.07

Rechtsstaat 2007

"In der Verhandlung hatte der 32-Jährige überraschend gestanden, die Terrororganisation al-Qaida aktiv unterstützt zu haben. Hicks war Ende 2001 in Afghanistan von US-Truppen verhaftet und 2002 nach Guantánamo gebracht worden. Sein Vater Terry Hicks hatte kritisiert, sein Sohn David sei misshandelt worden und habe sich nur schuldig erklärt, um 'der Hölle zu entkommen'.
Laut seiner Anwälte musste sich Hicks dazu verpflichten, Misshandlungsvorwürfe gegen die US-Behörden fallen zu lassen. Außerdem darf er weder gegen das Urteil Berufung einlegen noch Washington auf Schadenersatz verklagen. Nach seiner Freilassung wird es ihm ein Jahr lang untersagt sein, mit den Medien zu sprechen. Dasselbe gilt für seine Familie." (taz 21.05.2007:9)

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