27.6.07

Fischer will auch

Morgens zu nachtschlafender Zeit Abi-07-Gehupe und Krach von drei verschiedenen Baustellen, mittags Werbeanrufe, nachmittags im Supermarkt Promotionstände und Beschallung mit Seichtpop, dazwischen die üblichen dummdreisten Hühner mit ihren MP3-Handys in der Tram - Belästigung scheint das Gebot der Stunde zu sein. Da ich ein höflicher Mensch bin, würde ich mich gerne anpassen und auch belästigen, weiß aber nicht wie, da das Rauchen jetzt ja verboten ist. Aber wenn ich irgendwann mein antikes Mobiltelefon durch ein neueres Modell ersetze, werde ich auf einen Lautsprecher achten, der den Namen auch verdient, und das Teil mit Slayer-Tracks und Preßlufthammeraufnahmen bestücken. Ich liebe euch doch alle!

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26.6.07

PR außer Kontrolle

Die bizarrste Richtigstellung seit langem war im "mobil" der Deutschen Bahn (05/2007:10) zu lesen:
Richtig ist, dass es im Terminkalender von Veronica Ferres keinen Punkt "Feierabend" oder einen anderen Eintrag gibt, der sie daran erinnern soll, ihrer Tochter die Gutenachtgeschichte vorzulesen. Unser Autor wollte mit dieser - leider unglücklichen - Formulierung zum Ausdruck bringen, dass es Veronica Ferres sehr wichtig ist, sich neben ihren vielen Verpflichtungen Zeit für ihre Tochter zu nehmen. Wir bedauern es, falls diese Botschaft unseren Lesern nicht hinreichend vermittelt worden ist.
Auch mit den Zitaten sind Frau Ferres und das "DB-mobil" nicht so richtig warm miteinander geworden:
"Ich bin immer mit dem Kopf durch die Wand, ich habe da so meine eigene Moral, meine eigenen Werte in mir selbst gefunden." Dieses Zitat ist von ihr so nicht autorisiert worden. Das haben wir bei der Korrektur leider übersehen. Die von Veronica Ferres zur Veröffentlichung freigegebene Äußerung lautet: "Ich bin immer mit dem Kopf durch die Wand, ich habe so meinen eigenen Leitfaden, meine eigenen Werte in mir selbst gefunden."

Gelernt hat man beim "mobil" trotzdem nichts: Ein paar Seiten nach der Richtigstellung findet sich ein offenbar komplett erfundenes Interview mit dem kleinen blauen Elefanten aus der "Sendung mit der Maus", der jetzt seine eigene Sendung hat ("Was willst Du anders machen?" - "Nix, ich trample, und ich tröte"). Der kleine blaue Elefant kann bekanntlich nicht sprechen, so daß vermutlich selbst Tom Kummer vor der Herausforderung eines Interviews zurückgeschreckt wäre; die "mobil"-Redaktion verläßt sich dagegen bei der "Übersetzung" der Antworten einfach auf eine dubiose "Elefanten-Runde" des WDR. Mich hätte stark interessiert, ob auch hier eine Richtigstellung durch den kleinen blauen Elefanten erfolgt ist ("Trööt! Trampel! Trampel! Trööt!"), aber im Zug war kein einziges aktuelles Heft aufzutreiben, nur stapelweise das vom Mai. Wahrscheinlich ein kompletter Rückruf.

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22.6.07

Kundenbetreuung

Nachdem sich die Frequenz der ungebetenen Telekom-Anrufe bei mir in letzter Zeit deutlich erhöht hat (trotz Streik!), war es nur noch eine Frage der Zeit, bis auch das passieren würde: zwei Anrufe an einem Tag. Gestern hat's die T-Com geschafft. Gut: Die Anrufe sind insofern nicht mehr absolut sinnlos, als mir jetzt nicht mehr wie noch vor einigen Wochen genau derjenige Tarif wiederholt ans Herz gelegt wird, den ich ohnehin schon habe. Stattdessen erkennt man mich nun korrekt als Call & Surf Comfort-Kunden, dem unbedingt ein ganz tolles Angebot telefonisch mitgeteilt werden muß.
Schlecht: Bei meiner Anfrage bei der Service-Hotline, ob man den Telefonterror nicht irgendwie abstellen könnte, erfahre ich, daß bereits im System eingetragen ist, daß ich KEINE WERBUNG UND KEINE TELEFONKONTAKTE wünsche. Ich möchte nicht wissen, wie häufig die Kunden angerufen werden, die Telefonwerbung wünschen.
Auch schlecht: Auf die Frage, die ich mir die ersten vier Male spaßeshalber noch erlaubt habe, ob sich bei dem neuen Angebot wirklich nichts verschlechtert, hat nur eine einzige der Call-Center-Damen wahrheitsgemäß geantwortet, daß sich die Mindestlaufzeit des Vertrags von 12 auf 24 Monate verlängert, ansonsten lautete die Antwort schlicht "Nein". Wenn ich dann nachgehakt habe, hieß es, die Verlängerung ("Ja, das ist mit bei") sei doch kein Nachteil, ich könne ja jederzeit auf einen anderen Telekomtarif wechseln. Zu einem anderen Anbieter natürlich nicht, aber das würde ich ja auch nicht wollen. Liebe Telekom: Doch, ich will, und sei es nur deswegen, damit mein Telefon endlich Ruhe gibt.

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17.6.07

Neue Unübersichtlichkeit

Globalisierung findet auch in der Urologie statt! Soll man dagegen jetzt auch protestieren?

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14.6.07

Mal was anderes

Dafür, daß Lukaschenko den Empfang ausländischer Sender in seinem Land unterbinden möchte, muß man ihn nicht mögen. Wohl aber für die Ausrede, die er sich dafür hat einfallen lassen: Satellitenschüsseln seien häßlich und verschandelten das Stadtbild, deshalb müßten sie weg (FR 13.06.2007:6). Endlich mal eine Abwechslung zu der üblichen "Antwort auf alles" ("Big Lebowski") Sicherheit, und dazu noch eine aus dem Reich der Ästhetik, das heute leider nicht mehr soviel gilt. Ich warte jetzt auf "Hier muß unbedingt eine Überwachungskamera hin, das sieht doch gleich viel besser aus" und "Was haben Sie denn dagegen, daß Ihnen ein Fingerabdruck abgenommen wird? Sehen Sie doch nur: diese faszinierenden Formen! Diese subtilen Details!".

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12.6.07

Ludendorff 2.0

Wenn ich nach "Ludendorff" und "Lager" google, komme ich auf das. Merke: Google ersetzt keine Recherche.

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9.6.07

Enttarnt

Aber natürlich habe ich der Polizei geglaubt, daß der von Demoteilnehmern als Zivilbeamter enttarnte Provokateur gar kein Polizist war. Jetzt, wo die Polizei nach mehrfachem Dementieren endlich zugegeben hat, daß er doch einer war, glaube ich ihr halt stattdessen, daß der Mann gar nicht zum Steinewerfen aufgefordert hat. Irgendwas muß man ja glauben. Noch peinlicher als die Öffentlichkeitsarbeit der Polizei ist allerdings die Tatsache, daß der Zivilpolizist unter anderem deswegen aufgefallen ist, weil er Mitdemonstranten gesiezt hat (FR 09.06.2007:5).
Als ich gestern nach langer Zeit wieder einmal in der Unibibliothek war, habe ich mich übrigens auch durch Siezen enttarnt gefühlt, allerdings war ich es, der von der gefühlt halb so alten UB-Hiwine am Gebührenschalter gesiezt wurde. Vielleicht hätte ich die offenen Gebühren (0,65 EUR) aus dem Jahr 2001 doch auf sich beruhen lassen sollen.

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8.6.07

Wieder Ärger im Kral

Unausgesprochene Maxime der amerikanischen Außenpolitik scheint seit Jahrzehnten zu sein, daß der Rest der Welt aus irgendwelchen zurückgebliebenen Eingeborenen besteht, mit denen man umspringen kann, wie es beliebt. Das militärische Fußvolk hat diese Haltung recht gut internalisiert; das Ergebnis sieht man im "befreiten" Irak. Schön wäre es, wenn die Eingeborenenhäuptlinge irgendwann mal etwas unternähmen, um diese Sicht der Welt zu korrigieren. Stattdessen übersetzt man in den meisten europäischen Staaten "transatlantische Freundschaft" mit hemmungsloser Arschkriecherei. Trauriger Höhepunkt aus jüngster Zeit: Das Radar-Begrüßungsständchen der tschechischen Verteidigungsministerin ("Guten Tag, Flagge mit Sternen und Streifen. Du hast dich schon über uns entrollt").

Dabei lassen die Herrenmenschen gerade auch in befreundeten Staaten gerne heraushängen, wer der Reiter und wer nur das Roß ist. Nicht nur die gegen alle Widerstände hingeklotzte amerikanische Botschaft in Berlin spricht Bände. Während sich letztes Jahr beim Bush-Besuch in Deutschland noch ranghohe einheimische Politiker von den Sicherheitsleuten des Präsidenten herumschubsen lassen mußten, war es gestern nur ein Ortsvorsteher aus dem hessischen Butzbach, der eine halbe Stunde gefesselt in Gewahrsam von US-Soldaten verbrachte:

Hintergrund ist eine Übereinkunft zwischen Staatskanzlei, Stadt und US-Army, eine Straße durch die Housing Area offen zu halten, damit Bewohner des Ortsteils Degerfeld ungehindert zum Hessentag gelangen. Der Stadtteil ist nämlich ohne den Korridor für Fußgänger komplett von der Innenstadt getrennt. Doch die Army hielt sich nicht an die Abmachung. Sie kontrollierte und durchsuchte Passanten. Einem Altenpfleger wurde der Durchgang verweigert. Kinder und alte Menschen durften nur im Pulk und in Begleitung von Militärfahrzeugen passieren. "Das waren kriegsähnliche Zustände", ärgert sich Ortsvorsteher Fritz Grimminger. Als er das Vorgehen fotografierte, wurde er von Soldaten überwältigt (FR 08.06.2007:D1).

Anwohner demonstrierten spontan mit "Ami go home"-Plakaten. Leute, habt ihr nicht kapiert? Die sind schon zuhause. In der ganzen Welt.

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6.6.07

Unfreundlicher Akt

Wir erinnern uns: Das OVG Greifswald hält den Eingriff in die Demonstrationsfreiheit durch Verbot des Sternmarsches auf Heiligendamm für rechtens, da die ausländischen Staatsgäste eine Demo als "unfreundlichen Akt" empfinden und sich in ihrem subjektiven Sicherheitsgefühl gestört fühlen könnten (taz 05.06.2007:VI). In Greifswald mag man es gewohnt sein, daß es sich nicht schickt, Vertreter sozialistischer Bruderländer unfreundlich zu empfangen. Daß allerdings das Bundesverfassungsgericht trotz verfassungsrechtlicher Bedenken auch den letzten Eilantrag in Sachen G8 ablehnt (Pressemitteilung) und damit den ganzen vermutlich rechtswidrigen Verbotssums weiterlaufen läßt, stimmt nachdenklich, und noch nachdenklicher, daß auch hier - Überraschung! - Sicherheitserwägungen den Ausschlag gegeben haben.

Wenn du - sagen wir mal - ein Konzertveranstalter wärst, würdest du verkünden: "Liebe Leute, ihr dürft eure Halbliter-Wasserflaschen aus Plastik nicht mit reinnehmen, damit wir euch drinnen überteuerte Getränke verkaufen können" - oder vielleicht doch lieber: "Liebe Leute, ihr dürft eure Halbliter-Wasserflaschen aus Plastik aus Sicherheitsgründen nicht mit reinnehmen"? Wenn du - sagen wir mal - eine Versammlungsbehörde wärst, würdest du verkünden: "Liebe Leute, ihr dürft hier am Zaun und noch einige Kilometer weiter euer Grundrecht auf Versammlungsfreiheit nicht wahrnehmen, weil das echt beschissene Bilder in den Medien geben würde und euch auch noch die Gipfelteilnehmer hören könnten" - oder vielleicht doch lieber: "Liebe Leute, ihr dürft hier am Zaun und noch einige Kilometer weiter aus Sicherheitsgründen euer Grundrecht auf Versammlungsfreiheit nicht wahrnehmen"?

Sicherheit zieht immer. Einschränkung von Grundrechten, Telekommunikationsüberwachung und Vorratsdatenspeicherung, Geruchsproben von Dissidenten, Fingerabdrücke der gesamten Bevölkerung - all das und noch viel mehr schulden wir der Sicherheit. Wäre so ein knackiger kleiner Polizeistaat keine Option? Der Sicherheit zuliebe? Kann man ja auch ganz langsam schrittweise durchziehen? Vielleicht hilft ab und zu mal ein Blick ins Grundgesetz:

Die Gesetzgebung ist an die verfassungsmäßige Ordnung, die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung sind an Gesetz und Recht gebunden.
Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.


Wenn andere Abhilfe nicht möglich ist. Die Frage ist nur: Wer sagt einem, wenn es soweit ist?

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Egal

Wie hält man es aus, wenn der Ehemann eine Staatskrise auslöst, indem er Praktikantinnen an seine Unterwäsche läßt? Hillary Clinton jedenfalls durch den Glauben an Gott, denn er hat ihr "den Mut und die Stärke gegeben, um das zu tun, was ich für richtig hielt, egal was die Welt dachte" (FR 06.06.2007:6). Moment mal ... immer fest an Gott glauben und auf den Rest der Welt scheißen? Das tut doch George W. auch schon! Wie zu vermuten war: Ob nun Hillary oder irgendwer anders in diesem bescheuerten Land Präsident ist - ändern wird sich nix.

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