30.11.06

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Jedes Mal dasselbe Problem: Was legt man nach "Close to the Edge" auf? Für mich selbst habe ich diese Frage vor langer Zeit mit "Lucifer" (Alan Parsons) beantwortet, zum Chill-Out gewissermaßen; nicht jedermanns Sache. Gegenvorschlag von Stefan: "Rammstein geht eigentlich auch immer". Recht hat er.

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Post Scriptum (posthum)

Der Nichtraucher-Aktivist und Rauchentwöhnungsautor Allen Carr ist gestern an Lungenkrebs gestorben. Eine Spätfolge aus seinem früheren Leben als Raucher, in dem er es immerhin auf die stolze Zahl von etwa 100 Zigaretten am Tag brachte? Keineswegs! "Freunde des Autors äußerten die Ansicht, seine Krebserkrankung sei begünstigt durch seine jahrelange Teilnahme an Entwöhnungskursen, in denen jeweils zu Beginn noch kräftig geraucht wurde. Carr sei dadurch ständig dem Passivrauchen ausgesetzt gewesen" (FR 30.11.06:14). Hey! Freunde des Autors! Sehen wir uns bei der Veranstaltung im DKFZ?

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29.11.06

Der Blockwart in dir

Nur wenige große Ideen der Menschheit wurden neben Preßlufthämmern oder startenden Düsenjets geboren. Stille ist dem Denken förderlich, wie auch ein oberflächlicher Blick in die Gesichter jener Jugendlichen beweist, die man mit Ghettoblaster-Handys in öffentlichen Verkehrsmitteln antrifft: Nur selten kommt an diesen Gehirnen ein Gedanke vorbei. Verzweifelt wünscht sich der unfreiwillig beschallte Fahrgast eine Art Notfall-Pädagogik herbei, die zwar an der Vermittlung solch altmodischer Vorstellungen wie "Rücksicht" oder dem Kategorischen Imperativ scheitern dürfte, aber doch zumindest die Aufmerksamkeitsspanne der jungen Mitbürger soweit verlängern möge, daß sie sich einen Titel in voller Länge anhören können, anstatt jede halbe Minute zum nächsten, noch unerträglicheren Stück weiterzuschalten. Vergeblich.
"Müssen die Deutschen das Töten lernen?", fragt sich der SPIEGEL. Die Deutschen? Das Töten lernen? Noch vor wenigen Jahrzehnten wäre man sich ziemlich einig gewesen, daß sie wenigstens das können. Man sieht, wie schnell manche nationale Tugenden in Vergessenheit geraten können. Ebenso scheint das Meckern, hierzulande unlängst noch in Perfektion betrieben, aus der Mode gekommen zu sein: je lauter die Klänge aus den Handys, desto stiller die Duldung der gequälten Mitreisenden. Wo sind die nörgelnden Rentner, wenn man sie mal braucht, wo der "Führer", unter dem es "das nicht gegeben hätte"? Schaffner und Trambahnfahrer geben sich - obgleich fein uniformiert - ebenfalls tolerant: auch das eine Neuerung in diesem Land. Soll man etwa selber ran? Mit gerade mal dreißig Jahren und antiautoritär schlagendem Herz?
Bei näherer Hinsicht zeigt sich allerdings, daß das Meckern keineswegs verschwunden ist, es hat nur den Fokus gewechselt. Zielscheibe des allgemeinen Übelnehmens sind nun die Raucher; eine Haltung, die sich auf erschreckende Weise durch alle Altersgruppen zieht und zunehmend institutionalisiert wird. Ungern möchte man sich vorstellen, welches Ideal von Volksgesundheit hinter dem aktuellen Nichtraucherkreuzzug steckt. Ist eine Gesellschaft aus kalorienzählenden Fitness-Zombies, denen jeglicher Genuß als Laster gilt, wirklich erstrebenswert? Schon keimen Hoffnungen, ein Rauchverbot könnte auch den Alkoholkonsum senken. Der verschwörungstheoretisch informierte Zeitgenosse ahnt indes ganz andere Zusammenhänge. Steigert nicht Nikotin das Denkvermögen? Gibt es einen geheimen Plan, durch Tabakabstinenz in Kombination mit Handy-Beschallung unsere Gehirne zu erweichen? Werden deshalb Lärmnörgler heimlich durch Rauchnörgler ersetzt?
Eine schlechte Wahl! Wenig ist unangenehmer als Menschen, die beim bloßen Anblick einer Zigarette in demonstratives Wedeln vefallen, Menschen, die andere aus der Kneipe vor die Tür schicken möchten, Menschen, die mitleidig Worte wie "paffen", "qualmen" und "Glimmstengel" (jetzt noch dümmer: "Glimmstängel") verwenden. Gibt es ein Zentrum des Bösen, so ist es wohl im Deutschen Krebsforschungszentrum hier in Heidelberg zu suchen. "Deutschland vor der Entscheidung: Rauchfreie Gastronomie - ja oder nein?" lautet der Titel der aktuellen Veranstaltung des DKFZ. Den angekündigten Themen nach zu schließen, dürften sich die "Nein"-Stimmen in Grenzen halten: Die Drogenbeauftragte im Bundesministerium für Gesundheit spricht über "Schutz der Bevölkerung vor Passivrauchen - wo steht Deutschland?", ferner gibt es die Vorträge "Der irische Weg zur rauchfreien Gastronomie - eine Erfolgsgeschichte" und "Auch kleinste Mengen sind zu viel - Belastungen der deutschen Bevölkerung durch Passivrauchen". Die Blockwarte sind auf dem Vormarsch: Zwei Drittel der Bevölkerung wünschen sich angeblich rauchfreie Gaststätten. In Bälde entscheidet der Bundestag. Ich habe Angst.

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25.11.06

Deutsch-Südwest

Wache auf und stelle fest, daß ich von Dr. Eckart Würzner (CDU-Kandidat), Günther H. Oettinger (CDU) sowie Dr. Angela Merkel (CDU) regiert und außerdem von MdB Dr. Karl A. Lamers (CDU) und Dr. Horst Köhler (CDU) repräsentiert werde. Natürlich gehe ich sofort wieder ins Bett. Hilft aber auch nix.

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11.11.06

Alles wird gut

Kaum ist die Mehrheit der Republikaner im amerikanischen Kongreß futsch, freut man sich hierzulande wieder auf das "gute Amerika": "als einen Pionierstaat der Demokratie, als Hort der Rechte, der Toleranz und der Chancengleichheit und natürlich (...) als starken Arm der Freiheit" (FR 10.11.2006:3). Daß dieses USA-Bild in letzter Zeit etwas ins Wanken geraten ist, liegt offenbar ganz alleine an einer kleinen Bande von Unholden, die sich vor sechs Jahren dieses großartige Land völlig gegen den Willen seiner herzensguten Bewohner unter den Nagel gerissen und damit Schindluder getrieben hat. Damit kennt man sich in Deutschland ja aus. In zwei Jahren sind dann auch die letzten abgewählt und verschwunden, und es herrscht wieder Frieden und Liebe überall. Komisch nur, daß Themen wie Folter und Guantanamo im Wahlkampf so eine geringe Rolle gespielt haben. All die guten Amerikaner sind doch sicherlich entrüstet über solche Scheußlichkeiten? Woher kam dann die Angst der US-Demokraten, "einmal mehr als Weicheier im Anti-Terror-Kampf abgekanzelt zu werden" (FR 30.10.2006:1), sollten sie diese Themen ansprechen?
Zudem habe ich vage Erinnerungen, daß der Hort der Rechte und starke Arm der Freiheit auch schon vor der Amtszeit des jetzigen Präsidenten kräftig Scheiße gebaut hat. War da nicht irgendwas in Chile? In Nicaragua? In Vietnam? George W. Bush freut sich über das Todesurteil gegen Saddam Hussein, weil damit endlich die Herrschaft des Rechts über die Tyrannei wiederhergestellt ist. Eines der Verbrechen, die Saddam zur Last gelegt werden, ist der Angriffskrieg gegen den Iran, vom Gericht als Verbrechen gegen die Menschlichkeit gewertet (FR 06.11.2006:3). Hatten nicht die USA seinerzeit genau diesen Tyrannen unterstützt, weil er gerade jenen Angriffskrieg geführt hat? Einen Krieg gegen ein mißliebiges Regime, das nur an die Macht kommen konnte, weil die USA zuvor den Sturz der demokratisch gewählten iranischen Regierung betrieben hatten? Und das alles wird nie wieder vorkommen, bloß weil die Bush-Regierung abgewählt wird?
Die New Yorker Literaturwisenschaftlerin Marcia Pally bilanziert: "Gerade was die Freiheit angeht, kann nicht häufig genug daran erinnert werden, dass Amerikaner seit jeher die ökonomische Freiheit meinen, also den Zugang zu fremden Märkten und Rohstoffen. Politische Freiheit dagegen wird von ihnen eher als historischer, vor allem in Europa beheimateter Sonderfall angesehen (...). Im Rest der Welt aber ging es den Amerikanern stets nur um ökonomische Freiheit und politische Stabilität. Diese Auffassung von Außenpolitik wird von Politikern aller Couleur vertreten, von Demokraten genauso wie von Republikanern: Zwischen 1945 und 2005 haben die Vereinigten Staaten 50 ausländische Regierungen gestürzt, über 30 nationale Befreiungsbewegungen unterdrückt und waren zudem an Attentaten gegen 35 ausländische Staatsführer beteiligt" (FR 10.11.2006:15). Gutes Amerika.

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10.11.06

Schuld war nur der Bossa Nova

Es ist so unfair! Da haben wir in Deutschland schon die sichersten technischen Einrichtungen der Welt - beispielsweise das sicherste Stromnetz überhaupt; oder den Transrapid, bei dem Unfälle technisch vollkommen ausgeschlossen sind - und was ist der Dank? Entweder man vertraut erst gar nicht auf die Technik (Das AKW Biblis käme schon ganz gut alleine zurecht, wenn man es ohne diese albernen Notabschaltungen nur machen ließe!) - oder, schlimmer noch, sie muß als Sündenbock für allerlei menschliche Unzulänglichkeiten herhalten. Der Werbespot für den Klingelton "Natascha im Keller" ist auf MTV "nur durch einen technischen Fehler vereinzelt ausgestrahlt worden" (FR 29.09.2006:1)? Wirklich? Gewisse faule Blogger lassen über einen Monat nichts von sich hören, und schuld daran ist natürlich das DSL? Ach ja? Ich glaub das ja nicht ...

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