31.7.07

Erkenntnisse

Früher waren diese beliebten Meldungen mit dem Standardbeginn "Wissenschaftler (gerne auch: amerikanische Wissenschaftler) haben herausgefunden, daß ..." ja ganz amüsant: Dieses oder jenes sei der Gesundheit abträglich, hieß es dann, bis einige Wochen später neue Wissenschaftler zu vermelden wußten, es sei im Gegenteil der Gesundheit förderlich. Oder umgekehrt. So hat beispielsweise der Wein eine erstaunliche "Wissenschaftler haben herausgefunden, daß"-Karriere hinter sich: Mal toll, mal bäh; aktueller Stand scheint eher toll zu sein, kann sich aber auch wieder ändern. Nur leider: Amüsant war gestern. Mittlerweile bekommt der gemeine Staatsbürger vor allem Angst, wenn wieder irgendwelche Wissenschaftler ihr Gesundheitsurteil fällen, denn "ungesund" bedeutet heutzutage nicht zuletzt "demnächst von Staats wegen verboten".

Die Zeiten, in denen Rauchen als gesund galt ("reinigt die Lunge"), sind wohl unwiderruflich vorbei. Insofern ist es nur konsequent, daß das Rauchverbot in Gaststätten, das morgen hier in Baden-Württemberg in Kraft tritt, auch in Wasserpfeifen-Bars gelten soll (Agenturmeldung), womit diese wohl als abgeschafft gelten können. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Sabine Bätzing (SPD) wäre nicht die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Sabine Bätzing (SPD), wenn sie nicht auch hierzu Kluges zu berichten hätte: Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing (SPD), warnte vor gesundheitlichen Risiken beim Rauchen von Wasserpfeifen. "Das wird von Jugendlichen extrem unterschätzt", sagte sie in Berlin. Wasserpfeifen seien mindestens genauso schädlich wie Zigaretten. Sagt das auch das DKFZ, oder hat sie sich das am Ende selbst ausgedacht?

Ein wenig Hoffnung bringt alleine diese allerneueste "amerikanische Wissenschaftler"-Erkenntnis: Bewegung und Koffein verringern bei Mäusen das Hautkrebsrisiko. Hallo? Frau Bätzing? Kaffee ist gesund! Kein Krebs! Bitte nicht verbieten! Fürs Kiffen sieht es dagegen schlecht aus: Ein einziger Joint ist so schädlich wie fünf Zigaretten (neuseeländische Wissenschaftler). Und bringt "pfeifenden Atem, Husten und Schleimabsonderungen". Das gehört dringend verboten! Wie? Schon passiert? Da haben wir ja nochmal Glück gehabt.

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30.7.07

1984, 2001, 2007: kein Ende abzusehen

Das sind doch mal gute Nachrichten: Bush will den Nahen Osten hochrüsten! Ist ja auch wirklich ekelhaft friedlich dort.

Die US-Regierung plant eine massive Aufrüstung befreundeter Staaten im Nahen und Mittleren Osten. Um den Einfluss des Iran in der Region zurückzudrängen, sollen Israel sowie sieben mit Washington verbündete arabische Staaten bis 2017 Rüstungsgüter für 63 Milliarden Dollar erhalten. Erstmals will Washington offenbar moderne Präzisionsbomben an Saudi-Arabien und andere Golfstaaten liefern (FR 30.07.2007:1).

Daß die amerikanische Total Information Awareness-Politik in Folge des 11. September 2001 deutliche Züge von "1984" trägt, ist schon aufgefallen, bevor die Sicherheitshysterie auch hierzulande Fuß gefaßt hat. Der Orwellsche Umgang mit der Geschichte, der die amerikanische Kultur (und Außenpolitik) durch alle Zeiten hindurch geprägt hat, wird dagegen fast immer großzügig übersehen. Wir sind im Krieg mit Eurasien, wir sind immer im Krieg mit Eurasien gewesen. Rumsfeld beim Shakehands mit Saddam? Interessiert heute keinen mehr. Und wo die Taliban eigentlich herkommen, oder warum der Iran keine Demokratie mehr ist: erst recht nicht. Das gelobte Land Amerika macht keine Fehler; was dazu nicht paßt, wird passend gemacht. Vom Völkermord an den amerikanischen Ureinwohnern bleiben nur die tapferen Cowboys, die ihre Familien gegen die Wilden verteidigen mußten. Von all den Diktatoren, die man selbst hochgepäppelt hat, bleibt nur der Kreuzzug für die Freiheit.

Erinnerungslosigkeit führt dazu, daß dieselben Fehler immer wieder gemacht werden. Früher wurde nicht Saudi-Arabien gegen den Iran aufgerüstet, sondern der Irak; wie es dann weiterging, ist bekannt. Gestern wurden die Taliban gegen die Sowjetunion unterstützt, heute Pakistan gegen die Taliban, morgen vielleicht wieder umgekehrt. Die Zukunft? Genauso scheißegal wie die Vergangenheit, genauso scheißegal wie die Zahl der Leute, die dabei verrecken. Hauptsache, gestorben wird anderswo. Und wenn alle Stricke reißen, gibt's halt den nächsten Krieg. Der liebe Gott wird's schon richten.

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4.7.07

Schöne neue Welt (5)

"Wie reagiert ein Passant auf ein Werbeplakat, an dem er gerade vorbeigeht? Bleibt er erstaunt stehen oder geht er verärgert weiter? Ein System zur Gesichtsfeinanalyse erkennt im Handumdrehen die Stimmung eines Menschen. (...) 'Das Besondere an unserer Gesichtsanalyse-Software ist, dass sie in Echtzeit arbeitet', sagt Dr. Christian Küblbeck, Projektleiter am IIS. 'Außerdem ist sie in der Lage, sehr viele Gesichter gleichzeitig zu lokalisieren und zu analysieren.' (...) Im Einsatz vergleicht der Rechner bis zu 30 000 Merkmale im Gesicht mit den Informationen, die er bereits gespeichert hat. 'Die Berechnung erfolgt mit jedem Standard-PC so schnell, dass der Gemütszustand live verfolgt werden kann', so Küblbeck. Um die Privatsphäre muss sich dabei keiner Gedanken machen - das System wertet die Daten rein statistisch aus. Das ist nicht nur für Werbepsychologen interessant; zahlreiche Anwendungen sind mit der Software denkbar." (Fraunhofer-Pressemitteilung)

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Der Hot Button startet jetzt!

Einmal pro Monat erhalten alle Studierenden der Universität Heidelberg kostenlos und unaufgefordert per Mail das "Journal@RupertoCarola", im Juni allerdings sogar zweimal, denn: "Hiermit rufen wir die zuletzt verschickte Version von Journal@RupertoCarola zurück. Aufgrund eines unberechtigten Zugriffs war diese fehlerhaft – wir entschuldigen uns dafür! Im Anhang erhalten Sie nun die korrekte Version der neuen Ausgabe". Als Rätselfreund habe ich natürlich den Unterschied zwischen den beiden Versionen gesucht und gefunden:

Helmut Kohl kommt am 6. Juli an die Uni
Alt-Bundeskanzler widmet seinen Vortrag der hochaktuellen "Zukunft Europas"


Helmut Kohl kommt am 6. Juli an die Uni und quatscht dumm
Alt-Bundeskanzler widmet seinen Vortrag der hochaktuellen "Zukunft Europas"


Jetzt aber die Preisfrage: Welches ist die "fehlerhafte" und welches die "korrekte" Version? Call in now!

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2.7.07

Ultimo und gedoppelt

Aufmerksame Passanten haben die beiden Autobomben in London entdeckt; in Glasgow war es Glück, daß der Anschlag auf den Flughafen nicht geklappt hat. Glück hat auch Wolfgang Schäuble, daß ihm nun wieder Mikrofone unter die Nase gehalten werden, in die er Forderungen zur inneren Sicherheit fordern darf. Das funktioniert bei ihm wohl schon automatisiert im Halbschlaf, sonst hätte er diesmal womöglich mehr aufmerksame Passanten und mehr Glück gefordert; stattdessen hört man stark Bekanntes: Mehr Videoüberwachung soll her, mehr Kommunikationsüberwachung, und die Online-Durchsuchung auch.

Schäuble weiß: Wenn du etwas durchsetzen möchtest, aber auf Argumente keine Lust hat - Sicherheit ist der ultimative Joker, auf ähnlicher Stufe wie der "Schutz von Kindern und Jugendlichen" und ansonsten allenfalls vergleichbar mit "Ben Gurion" in Kishons "jüdischem Poker". Dieser Trick wird seit langem beispielsweise von Konzertveranstaltern erfolgreich angewandt. Wer jemals versucht hat, den Muskelmann am Eingang davon zu überzeugen, eine Halbliter-Plastikflasche ließe sich nur schwer als tödliches Wurfgeschoß einsetzen, hat erkannt: Mit der Exekutive über Sicherheit zu diskutieren, ist zwecklos.

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