30.6.08

Wer ein Trio vorne hat ...

... wie Ronaldo, Ronaldinho und die anderen Brasilianer, Carlo ... Roberto Carlos, das ist, das ist, Rivaldo dazu noch, Rivaldo! ... Rivaldo und Ronaldinho und Ronaldo. Also das dann verloren zu haben, das ist zwar bitter, aber nicht so bitter.

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10.7.06

Back to reality

Die WM hat uns auf wunderbare Weise verändert.
Roland Koch, Ministerpräsident der Herzen

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8.7.06

Schöner als Berlin

Klinsmanns kalifornische Motivationsmethoden sind heute mehr gefragt denn je: Wir müssen jetzt nämlich alle fest daran glauben, daß der dritte Platz bei der WM auch was irre Wichtiges ist. Ich weiß, wir können es schaffen™ !

Nachtrag: Mission accomplished (G. W. Bush), der dritte Platz bei der WM ist auch was irre Wichtiges. Im Ernst: Besser hätte es eigentlich nicht laufen können. Während der nominell bessere WM-Zweite sein letztes Spiel verloren hat und von daher eher heulen als feiern dürfte, garantiert der Sieg im "kleinen Finale" - rein symbolisch, aber darum geht es ja - noch eine angemessene Fortsetzung der Partystimmung, bevor der Post-WM-Kater einsetzt. Weltmeister dagegen - das wäre zu arg geworden. Umerziehungslager für Nörgler & Miesmacher im Reformland bleiben uns so gerade noch erspart. Xavier Naidoo ist schlimm genug.

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5.7.06

Wer Argentinien besiegt, wird Weltmeister

Aber wann?

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2.7.06

Allez und hopp

Im Nahen Osten braut sich wieder einmal der Dritte Weltkrieg zusammen, Merkel regiert durch, der nächste Abgabetermin steht vor der Tür - mir alles egal, ich schau Fußball. Und es lohnt sich. Frankreich gegen Brasilien: Überbezahlte Werbeikonen verlieren gegen Raucher und alte Säcke - für mich eine persönliche Genugtuung. Mehr noch: keine Gelegenheit für Worthülsen-Beckmann, in einem der kommenden Spiele irgendwas von "brasilianischem Tanz" oder "brasilianischerem Spiel als das der Brasilianer" zu erzählen. Und wenn Frankreich gegen Brasilien gewinnt, gegen die Schweiz aber unentschieden spielt - war dann nicht die Schweiz besser als die Brasilianer? Später Trost. Think about it.

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30.6.06

Gefightet bis zum Schluß (M. Ballack)

Wortmann: Pathos finde ich wunderbar.
Kahn: Schön. Ja, ich mag Pathos.
Wortmann: Es ändert sich ja gerade in unserem Land, dass Pathos nicht sofort eine Gegenreaktion hervorruft. Beim Spielfilm kann ein elfjähriger Junge dem Helmut Rahn den Ball zuwerfen, damit der das 3:2 schießt. Natürlich setze ich da Geigen ein. (SPIEGEL 26/2006:162)

Geigen und Beckmann - das hätte ich nicht ausgehalten. Meine Nerven sind sowieso schon im Eimer. Um es mit Reinhold "Ich wiederhole mich da gerne" Beckmann zu sagen: Es war kein schönes, aber ein spannendes Spiel. Es war kein schönes, aber ein spannendes Spiel. Es war kein schönes, aber ein spannendes Spiel.

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28.6.06

Nostalgie und Ernüchterung

Die WM stimmt nostalgisch, ist es doch trotz ständig wechselnder Spielernamen im wesentlichen immer das gleiche Ritual, das hier alle vier Jahre abläuft. Daran können auch vereinzelte Manifestationen einer kühler werdenden Zeit wie der FIFA-Markenwahn oder die durchrationalisierte taktische Vorbereitung der Teams nichts ändern. Das Golden Goal ist dankenswerterweise wieder in der Rumpelkammer der Fußballmodernisierung verschwunden, und die jedes Mal pünktlich zur Finalrunde lautwerdenden Rufe nach einer technischen oder personellen Erneuerung des Schiedsrichtersystems gehören mittlerweile selbst zum Ritual, statt daß sie irgendwelche Konsequenzen nach sich ziehen.
Die Erinnerung an goldene Jugendzeiten motiviert derweil zahlreiche erwachsene Sammler von Panini- und sonstigen Fußballbildchen. Selbiges war leider nie mein Ding, dafür entdecke ich an ganz anderer Stelle Relikte aus der Vergangenheit in meinem Tagesablauf. Es ist dies eine besonders vergangene Vergangenheit: die mythische Ära vor der Verbreitung des Internets. Seit Beginn der WM kommt der gute alte Videotext bei mir zu neuen Ehren, und auch Informationen auf gedrucktem Papier finde ich dem Ereignis weitaus angemessener als solche aus dem Netz. Jeder WM-Spielplan beweist die Überlegenheit dieses Mediums in Fußballangelegenheiten. Irgendwie haben auch die WM-Ausgaben von Spiegel, Kicker und Elf Freunde den Weg in meinen Haushalt gefunden, und ein Spiel ist für mich erst mit der Analyse aus der Rundschau richtig abgeschlossen, selbst wenn ich zwei Tage darauf warten muß.
Umso trauriger stimmt mich heute das einmütige Schweiz-Bashing von FR und taz. Die wollten doch nur spielen! Natürlich war das Match gegen die Ukraine unterirdisch mies, aber wie für die DDR gilt auch hier: Es war nicht alles schlecht! Zwei WM-Rekorde: Ausscheiden ohne Gegentor und die Unfähigkeit eines einzigen erfolgreichen Elfmeters - das ist doch auch was. Im persönlichen Bereich läßt sich der Situation ebenfalls Positives abgewinnen: Partnerschaftliche Spannungen eines möglichen Halbfinales Deutschland-Schweiz konnten bereits im Ansatz vermieden werden. In den deutschen Medien stehen der Schweiz und den Schweizern allerdings harte Zeiten bevor, selbst in der Lindenstraße: Der kellnernde Primat aus dem Restaurant "Akropolis", von Beginn an kein Sympathieträger, geht einer neuen Hochphase entgegen, und auch der liebenswerte Hallodri Alex kommt nicht mehr besonders gut weg. Die taz titelt heute sogar apodiktisch: "Die Schweiz ist kein Vorbild" - aber halt: Es geht nur ums Gesundheitssystem. Nochmal Glück gehabt.

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26.6.06

Es wird ernst

Ein etwas eigenwilliges Verständnis vom K.O.-System der Finalrunde bewiesen gestern abend die Mannschaften Portugals und der Niederlande, von denen man nicht wußte, ob sie sich gegenseitig aus dem Turnier prügeln wollten oder aber die Regeln so interpretierten, daß dasjenige Team verliert, bei dem als erstes alle Spieler vom Platz gestellt werden. Demgegenüber verlief die eben zu Ende gegangene Begegnung Italien-Australien trotz Gattuso und australischer Rustikalität fast zivil, wenngleich auch hier ein Platzverweis Günter Netzer dazu veranlaßte, das alte Lied von den Gefahren der Überzahl zu singen. Wenn es so einfach ist, den Gegner zu verwirren, fragt man sich, warum nicht alle Mannschaften gleich von Beginn an mit einem Spieler weniger auflaufen.
Insgesamt steht der Schweiz (so sie es schafft, heute abend die Ukraine zu besiegen) ein interessantes Viertelfinale gegen Italien bevor. Immerhin hat das Schweizer Team bei dieser WM ebenfalls schon Erfahrung mit den Wrestling-Aspekten des Fußballs sammeln können, seit Senderos sich im Gruppenspiel gegen Südkorea eine blutige Nase beim Kopfballduell holte und den Gegner zum Tragen eines erniedrigend bescheuert aussehenden Zipfelmützen-Kopfverbands verdammte. Ein bißchen bange macht es da schon, daß ausgerechnet Senderos heute - anderweitig verletzungsbedingt - pausieren muß. So bleibt es vor allem Torwart Zuberbühler überlassen, dafür zu sorgen, daß die Schweiz das Turnier auch weiterhin ohne Gegentore übersteht. Das gelang in dieser WM keiner anderen Mannschaft. Merkt auf, wenn ihr Deutsche seid!

Nachtrag: Na gut, zurück zum ursprünglichen Fahrplan: Europameister 2008 mit Heimvorteil und etwas gereiften Spielern. Ob's daran lag, daß Pflänzli mangels Daumen keine drücken konnte? Jetzt braucht es erstmal Trost, genau wie der völlig fertige Urs Meier. Ich weiß allerdings nicht, ob sich S. Kuzmanys Einschätzung, die Ukraine sei die schwächste Mannschaft, die jemals ein WM-Viertelfinale erreicht habe, wirklich dazu eignet.

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Deutsches Bier und deutscher Sang

Die Debatte um Patriotismus, Deutschlandfahnen und Nationalstolz während der WM ist recht ausgiebig geführt worden. Genereller Konsens scheint zu sein: Alles halb so wild, seit hierzulande Fun statt Faschismus angesagt ist. Die Identifikation vieler Hardcore-Fans bezieht sich offenbar ohnehin auf ein virtuelles Staatswesen namens "Schland", was eklig, aber recht harmlos klingt und insofern eigentlich ganz gut paßt. Die martialischen "Sieg"-Rufe tönen zwar immer noch unangenehm, sind aber seltener geworden. Und "Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin" ist eine deutliche Verbesserung gegenüber den unseligen Zeiten, in denen man lieber nach - beispielsweise - Paris fahren wollte. Mit all dem kann man ganz gut leben, solange Indianer-Koch die Klappe hält. Die große Frage, wie es nach der WM weitergeht, bleibt allerdings offen. All die realen und ausgedachten Probleme, die man in der allgemeinen Partystimmung auf Eis gelegt wähnt, sind ja keineswegs verschwunden. Um noch einmal Tammo Sachs, dem Erfinder des Lyrik-Spammings, das Wort zu geben: was jeder nun vergessen hat: / wir leben / in nem / schuldenstaat.

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24.6.06

In den Füßen des Schicksals

Normalerweise hätte ich mich sehr gewundert über die Entscheidung der ARD, von den parallel laufenden Spielen der Gruppe G keineswegs das Spiel des Gruppenersten Schweiz gegen den Gruppenzweiten zu übertragen, sondern dasjenige der beiden Gruppenloser, deren einer (Togo) sogar bereits ausgeschieden war. Da ich aber in den vorangegangenen Tagen sowieso vom Pech verfolgt worden war, nahm ich das eher gleichmütig als weitere unbegreifliche Entscheidung eines rätselhaften Schicksals hin und suchte ein irisches Pub auf, um die Schweiz wenigstens in einem kleinen Nebenzimmer spielen zu sehen, in angstvoller Erwartung weiteren Ungemachs, das der Abend dem Schweizer Team und mir bescheren mochte.
Insofern kam der Gemeinschaftsgefühls-GAU, der uns in dem Separée zunächst erwartete, nicht wirklich überraschend: Renate und ich sahen uns einem halben Dutzend US-Amerikaner beiderlei Geschlechts gegenüber, die aus okkulten Gründen Südkorea unterstützen, und zwar sehr, sehr lautstark. ("I don't know what's happening, but - YES!" schrie eine der Damen - gleich zwei Vorurteile auf einmal bedienend - nach einer Abseitsentscheidung mit einem Organ, das Pflänzli in Sekundenbruchteilen zum Welken gebracht hätte, wäre es dabeigewesen.) Hätte ich mich in meinem Blog und Leben differenzierter und verständnisvoller zur amerikanischen Politik und Kultur äußern sollen? War das die Rache?
Aber nein: Innerhalb kurzer Zeit drängten so viele Schweizer und Sympathisanten in den Raum, wie er nur zu fassen vermochte, die Korea-Anhänger in die hoffnungslose Minderzahl verweisend, Renate zauberte eine eigens als Überraschung erworbene Schweizer Flagge zum Ersatz meiner eigenen, im Wohnungschaos verlorenen hervor, und alles, wie die Fußballgeschichte weiß, wurde gut. Sollte meine Pechsträhne damit zu Ende gegangen sein? Eben gerade hat sich die Lehne meines Ikea-Schreibtischstuhls nach langen Jahren aufopferungsvoller Tätigkeit von mir verabschiedet. Es bleibt also spannend.

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21.6.06

Für und wider und egal

Wie leicht fällt es in diesen Tagen, sich durch Fußballübertragungen von der Arbeit abhalten zu lassen! Problematisch nur, daß das schönste Spiel keinen Spaß macht, wenn man beiden beteiligten Mannschaften völlig leidenschaftslos gegenübersteht. Vor allem der Zusammenstellung der Gruppe H verdanke ich schöne Stunden produktiver Tätigkeit an den entsprechenden Spieltagen. Für irgendwen sollte man schon sein, zur Not auch gegen. Die Hoffnung auf Erfolge beim Tippen bringt mein Blut dagegen kaum in Wallung, da ich in der Regel sowieso auf geradezu groteske Weise danebenliege. Stattdessen gilt es, auch die willkürlichsten persönlichen Sympathien und Antipathien zu hegen & pflegen wie zarte Pflänzchen. Schwierig wird es allerdings dann, wenn beim Blick auf die Tabelle Herz und Verstand unterschiediche Signale aussenden. So fand ich mich heute in der Situation wieder, mir viele, viele Tore für Portugal zu wünschen, obgleich mich Cristiano Ronaldos Mannschaft eher kalt läßt - aber Angolas Weg in die Finalrunde hätte es erleichtert. Resultat: vergebens. Ade, Goncalves! Ade, Joao Ricardo! Schwacher Trost: drei seltene Tipp-Punkte für das 2:1. Noch schlimmer gestern abend Schweden gegen England: das mittsommernachtsromantische Herz eindeutig für Schweden, der Verstand aber für England - zum einen, um noch die Chance auf einen ... hm ... Farbtupfer in Gestalt von Trinidad und Tobago in dieser europäisch-lateinamerikanischen Veranstaltung zu haben, zum anderen, um der Menschheit die direkte Begegnung der Körperformen von Oliver Neuville und Peter Crouch zu ersparen. Wenigstens in dieser Hinsicht hatte der Gott des Rasensports ein Einsehen. Aber wenn Deutschland am Samstag gegen Schweden verliert, hab' ich nichts gesagt.

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20.6.06

Fear and Loathing im FIFA-Land

Frankfurter Rundschau: Dann ist diese WM ja die ideale Veranstaltung, um die Gesellschaft von Konflikten, Stress und Frustrationen zu befreien?
Klaus Theweleit: Allerdings nur, falls es gelingt, das von den ganzen mitlaufenden Nationalismen und diesem "Wir-sind-wir" frei zu halten. Dann ist diese WM ein zivilisatorischer Akt. (FR 20.06.2006:24)

Diesen zivilisatorischen Akt sollte man wohl vor allem an dem US-Torwart Keller vollziehen, dem nach dem 1:1 gegen Italien angesichts des (ebenfalls ausgesprochen unzivilisierten) Fouls von de Rossi an McBride nicht Besseres einfiel als: "Wir haben unser Blut gegeben für Land und Team". Ein bißchen one-tracked sind diese Leute irgendwie schon, oder? Die WM mit kriegerischen Kreuzzügen verwechselte offenbar auch der amerikanische Trainer, der gleich die ganze Bandbreite an landestypisch pathetischem Geschwafel vom Stapel ließ: "Bruce Arena (...) sprach davon, dass 'unsere Mission noch nicht beendet' sei, man könne 'unglaublich stolz sein', jeder habe 'für sein Land und unser Team gekämpft'" (FR 19.06.2006:17).
Arena schafft es trotzdem nur auf Platz 2 meiner höchst subjektiven Hitliste der unsympathischsten Trainer, die unangefochten vom argentinischen Mexikaner Ricardo La Volpe dominiert wird. Diesem Mann möchte ich nicht auch nur im Halbdunklen begegnen. Selbst mein automatischer Kettenraucher-Sympathiebonus hilft hier nicht weiter. Gut, daß es auch ausgesprochen liebenswürdige Gestalten unter den Trainern gibt: Köbi Kuhn etwa, nicht nur aus landsmannschaftlichen Gründen einer meiner Favoriten, den großartigen Karel Brückner oder den angolanischen "Professor" Goncalves, aus dessen Mannschaft außerdem mein Lieblingsspieler kommt: der herrlich entspannte und unambitionierte (und obendrein recht gutaussehende) Torwart Joao Ricardo. Welch ein Unterschied zum übermotivierten Ekelpaket Cristiano Ronaldo, der auf dem exakt entgegengesetzten Ende meiner persönlichen Sympathieskala wohnt.
Apropos - ich hatte neulich das Pech, nicht schnell genug von der Werbung wegzulaufen und erlebte in einem Bonaqua-Spot die vielleicht furchtbarsten Sekunden meines Lebens: Johannes B. Kerner dank Computeranimation in dutzendfacher Ausführung! Wer, bitte, denkt sich zur Verkaufsförderung eine solche Horrorvision aus?

Nachtrag: Marcus mag La Volpe und nennt gute Gründe. Hilft jetzt aber auch nix mehr.

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14.6.06

Ewoks vor!

Ein "Kurzarbeiter" sei Neuville, meinte der ARD-Kommentator. Lieb ...

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13.6.06

Hopp Schwiiz!

Habe mir gerade den ersten Schweizer WM-Auftritt angesehen, gemeinsam mit Pflänzli, meiner zum Schweizertum konvertierten Clivie (lange Geschichte). Sehr positive Überraschung - im Spiel gegen die Grande Nation verzichtete die petite nation darauf, putzig zu sein. Das fing bereits bei den Nachnamen der Spieler an: kaum ein "i" am Ende! Für die endgültige Rettung der Nationalehre nach dem Ralph-Siegel-Debakel beim Eurovision Song Contest muß allerdings noch ein bißchen gearbeitet werden. Pflänzli hat's jedenfalls gefallen, glaub ich. Aber vielleicht fand es auch nur den Rasen schön.

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12.6.06

Mama, er hat mich getreten!

Immer wieder erstaunlich, wie so ein Männer-Fußballspiel - eigentlich Hort testosterongesättigter Virilität, mal abgesehen von dem knuddeligen Fußball-Ewok Oliver Neuville - den Charakter ändert, sobald ein Freistoß oder gar Elfmeter herausgeschunden werden soll: Muskelbepackte Kämpfer gehen zu Boden, schwerverletzt von einem leisen Windhauch, kraftstrotzende Sexidole wälzen sich mit schmerzverzerrten Gesichtern auf dem Boden. Erst gerade im Spiel Holland gegen Serbien/Montenegro wurde wieder auf den Rasen geflogen, was das Zeug hielt. An Schwalben hat man sich ja schon gewöhnt, aber muß das immer mit einer Wehleidigkeit inszeniert werden, die an Kleinkinder erinnert? Ich plädiere hiermit für die Einführung des offiziellen FIFA-Schnuffeltuchs (TM): spendet Trost, kann anschließend als Reliquie verkauft werden und bietet jede Menge Platz für Sponsoren-Aufdrucke. Damit Schmerzen sich wieder lohnen!

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31.5.06

Zug nach nirgendwo

Die Aussicht, durch Fulda zu fahren, versetzt mich in solch unbeschreibliche Lethargie, daß ich mich nicht aufraffen kann, mein Buch aus der Reisetasche zu kramen. Auf der Suche nach anderweitiger Lektüre entscheide ich mich spontan gegen das im Zug ausliegende RapsMagazin ("Das Magazin der Union zur Förderung von Öl- und Proteinpflanzen"). Nicht wirklich kurzweilig ist auch der "Reiseplan", obwohl mich dort der "MasterCard-Botschafter" Jürgen Klinsmann auffordert: "Begleite unser Team während der FIFA WM 2006™!" So sehr ich mich freue, daß die Botschaft der MasterCard in alle Welt verbreitet wird (wer braucht schon die UNICEF?), frage ich mich doch, wie man "™" ausspricht. Aber Klinsmann lebt ja auch in Kalifornien. Am Ende läuft alles auf das bewährte Bahn-Magazin "mobil" hinaus, welches - immer auf der Höhe der Zeit - mit einem Extra zur WM aufwartet. Interessant, wie hier (mobil 05/2006:82/83) der Frauenfußball gegen den chauvinistischen "Geist von 1850" verteidigt wird, demzufolge "Sport allgemein die Frauen vermännliche, die Heiratschancen mindere und die Gebärfreudigkeit einschränke". Das alles hat sich nämlich "nicht bewahrheitet"! Und heute, in unserer aufgeklärten Zeit, sieht natürlich alles ganz anders aus:
"Während die ersten Kickerinnen Anfang der 70er noch wie Landpomeranzen daherkamen, sind die Mädchen und Frauen heute absolut en vogue. Vor TV-Interviews werden Lippen und Lidstrich nachgezogen, die Trikots sind meist von neuestem Chic. Silke Rottenberg, Torhüterin des Weltmeisterinnen-Teams: 'Das Aussehen ist wichtig geworden. Seit ein paar Jahren lege ich Wert darauf, nicht mehr so maskulin zu wirken. Früher dachte ich: Hauptsache, ich kann Fußball spielen.' Dass sie das beherrscht, bezweifelt schon lange keiner mehr, aber seit das Fernsehen den Fußballfrauen so nahe rückt, sind natürlich auch noch andere Ansichten interessant."
Ja, das ist Gleichberechtigung, wie wir sie lieben, vor allem, wenn die Fußballfrauen "sich nach erfolgreichem Torschuss gleich den Männern das Trikot vom Leib reißen. Wie die US-Amerikanerin Brandi Chastain, die sich nach verwandeltem Elfmeter im WM-Finale 1999 entblößte und einen perfekt sitzenden Sport-BH präsentierte - in erotischem Schwarz". Noch Fragen? Danke, Wolfgang Golz, für diesen wunderbaren Artikel. Er gibt mir nämlich genug Energie, um doch noch mein Sudoku-Heft herauszusuchen. Dabei wird es einem nicht ganz so schlecht.

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22.5.06

Gutes Timing

Die Fußball-WM bietet guten Anlaß, hierzulande wieder über "Stolz" zu reden, meint der unvergleichliche Roland Koch (FR 22.05.2006:1). Wie man nationalen Stolz brutalstmöglich beweisen kann, hat man ja die letzten Tage schön gesehen. Die deutsche Leitkultur soll selbstverständlich auch wieder her, über die Vernichtung von Kultur durch Einwanderung am Beispiel der Indianer wird ebenfalls nachgedacht, und: "Wir Deutschen wollen Weltmeister werden", und zwar nicht nur im Fußball, "das gilt überall". Das mußte endlich mal wieder gesagt werden! Ich kann gar nicht soviel bloggen, wie ich kotzen möchte ...

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19.5.06

Brüh im Lichte dieses Glückes

Hab mich lieb!Preisfrage: Für wen ist die rechtsextreme Gewalt in den national befreiten Zonen-Zonen ein Problem? Wir haben's jetzt begriffen: Nicht etwa für die fremdländisch aussehenden Leute, die dort gerne mal totgeprügelt werden, sondern für das Image des Landes Brandenburg. Aber mal ganz ehrlich, Schönbohm: Totschweigen bringt doch nix - und geht auch gar nicht mehr, weil einer schon gepetzt hat! Die Kunst der Public Relations lehrt uns vielmehr, daß man in dieser Lage offensiv vorgehen muß. Nicht nur im Zeitalter der Präventivkriege gilt: Angriff ist die beste Verteidigung! Stehen wir zu unseren Nazis! Selbstironie wird immer honoriert: Ersetzen wir einfach den dämlichen Goleo durch den putzigen Nazi-Kuschelbär (TM), und das Imageproblem ist wie weggeblasen! Da kann man sogar ein wenig schmunzeln, wenn man gerade geklatscht wird! Die Welt ist zu Gast bei Freunden, und einige sind halt ein bißchen schrullig. Aber im Grunde ganz harmlos, gell?

Nachtrag: Eben erst entdeckt, daß die Polizei schon vor Monaten eine ähnliche Idee hatte. Ach Mensch ...

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