12.7.08

Visionen

Besten Dank, Frankfurter Rundschau, daß ich mir heute schon zum Frühstück die Fressen von vier Leistungsträgern aus der Werbebranche anschauen muß. Und als ob das nicht schon genug zum Kotzen wäre, steht auch noch dabei, was die Herren zum Thema "Wie kommt die Marke SPD aus der Krise?" zu sagen haben (FR 12.07.2008:44/45). Dabei stammt der mit Abstand dämlichste Beitrag aus dem Hause Springer & Jacoby, was auch daran liegen mag, daß (gottlob) niemand von Jung von Matt gefragt worden ist. Andererseits hat nun wirklich niemand den Springer & Jacoby-Chef Öztürk gezwungen, Sätze wie diesen zu Protokoll zu geben: "Wir können momentan unglaublich viel von Amerika lernen." Muß man völlig verblödet sein, um ernsthaft zu glauben, irgendjemand könnte unglaublich viel von Amerika lernen? Oder genügt es schon, in der Werbebranche beschäftigt zu sein, wo man ohnehin sein Geld damit verdient, die Leute zu verarschen? Schwer zu sagen, denn es geht gleich noch dümmer weiter: "Zum Beispiel von Barack Obama, der einfach mit Change als Vision antritt. So eine Vision wäre für die SPD entscheidend." Change, okay. Aber was? Und wohin? Man mag von Obama halten, was man will, aber seine Wahlkampagne findet bis jetzt - abgesehen von der Schlammschlacht mit seiner innerparteilichen Konkurrentin, wovon wir unter Garantie unglaublich viel lernen können - ungefähr auf dem Niveau von "Wir können es schaffen" statt, damit es auch die letzte der Dumpfbacken, von denen er gewählt werden will, versteht. Fürwahr eine Vision.

Bei Öztürks Kollegen findet man unter all dem branchenüblichen sinnentleerten Geblubber ("Letztlich gilt es, Gefühle und Emotionen auszulösen"; "Ohne einen emotionalen Rückgriff auf ihre Wurzeln und ein passgenaues Storytelling sind zukünftige Erfolge der Sozialdemokraten bislang kaum denkbar") wenigstens noch einige Sätze, die sich tatsächlich mit den Inhalten der SPD bzw. - in der Diktion dieser Industrie - ihrem Markenkern beschäftigen. Detmar Karpinski von der Agentur KNSK, die zweimal Wahlkampf für die SPD gemacht hat, gibt zu bedenken: "Das Produkt ist entscheidend, Werbung kann nur Katalysator sein. Und beim Produkt hat die SPD momentan ein Problem, das für jeden sichtbar ist und das man mit Werbung nur schwer kaschieren kann". Bei Springer & Jacoby ist man dagegen weit entfernt davon, sich über solche Nebensächlichkeiten wie die Eigenschaften des zu vermarktenden Produkts irgendwelche Gedanken zu machen. Zu Inhaltlichem verlautet Öztürk nichts. Null. Nada. Stattdessen muß ein "charismatischer Führer" her, seit 1933 klares Erfolgsrezept in diesem Land. Also eher Steinmeier statt Beck, am besten aber jemand wie Obama - oder wie Steve Jobs, "ein sehr charismatischer Manager, der die Marke Apple lebt und sie emotional auflädt". Und wofür würde der dann wohl stehen, so in der SPD? Scheißegal, denn "die Partei muss einen Kanzlerkandidaten präsentieren, der glaubhaft vermittelt: Wir wollen gewinnen". Und das war's dann inhaltlich. Lernen von Amerika, wunderbar.

Mit "Produktinformation" hat moderne Werbung schon lange nichts mehr zu tun. Man kann aus der Werbung allerhand erfahren, wenn man nicht schnell genug umblättert respektive aufs Klo verschwindet, nur nichts über das beworbene Produkt. Ob das Getränk wirklich gut schmeckt, wie lange das elektronische Gerät hält, ob die Versicherung wirklich alles abdeckt - für Werbezwecke völlig irrelevant, sofern das Markenimage stimmt. Fröhliche Menschen beim Feiern für die Getränkewerbung, Klaviermusik und beruhigende Männerstimme für die Versicherungsreklame, der tausendste austauschbare Slogan dazu, und der Konsument wird's schon kaufen. Emotionen! Bloß keine Argumente! Hier liegt nicht der unwichtigste Grund dafür, daß die heutige Wirtschaft so pervers funktioniert, wie sie funktioniert. Rationale Kaufentscheidungen? Mündiger Konsument? Lieber wird in die Verblödung der Verbraucher investiert. Und das Ganze nennt sich dann "Kommunikation".

Nicht unbedingt ein Zufall, daß exakt Springer & Jacoby in diesem Bereich neue Maßstäbe in punkto Ekligkeit gesetzt hat. Vermutlich ein Teil der Unternehmensphilosophie. Bonaqua ist ein sogenanntes Tafelwasser, sprich: mit Kohlensäure versetztes Leitungswasser. In der Herstellung mit das Billigste, was man überhaupt produzieren kann. Nun bedeutet aber "Markenprodukt" schon sehr lange nicht mehr, daß man es mit einem qualitativ hochwertigen Produkt zu tun hat, sondern mit einer kostenintensiv aufgebauten Marke. Das Geld, das man bei der Produktion spart, fließt in die Werbung. Der Nutzen, den der Verbraucher aus dem Konsum ziehen soll, liegt nicht etwa in den Eigenschaften des Produkts begründet - wo kämen wir denn da hin! -, sondern in dem Gefühl, etwas Tolles zu konsumieren. Emotionen, wir erinnern uns? Im Fall Bonaqua heißt das: Wir brauchen einen finanzkräftigen Konzern, dem die Marke gehört: Coca-Cola, kein Problem - und eine Agentur wie Springer & Jacoby, der es vor nichts graust: Müller-Milch, Springers Welt, DaimlerChrysler, beste Referenzen. Und was kommt dabei als einziges armseliges Argument, Verzeihung, als unique selling proposition raus, Bonaqua zu trinken? Daß Johannes B. Kerner - von allen Menschen Johannes B. Kerner! - es auch trinkt. Ich korrigiere mich: Daß Johannes B. Kerner für viel Geld bereit ist, zu behaupten, er würde es auch trinken. Fertig ist die Marke. Oder mit den Worten von Oliver Schwall (keine Witze über Namen) von Springer & Jacoby: "In der Werbung spricht man dann von Opinion-Leadern, wenn die es schon tun, dann werde ich es auch tun. Das ist sicherlich einer der großen Effekte. Man kauft sich halt damit Glaubwürdigkeit und Aufmerksamkeit." Soviel zur Frage, wieviel "Glaubwürdigkeit" in der Werbebranche wert ist. Ein Gebrauchtwagenhändler verdient nur weniger. Und er hat mehr Anstand.

Das Schlimme: Es funktioniert. Es rechnet sich mehr, den letzten Müll aufwendig zu vermarkten, als ein brauchbares Produkt herzustellen. Die Implikationen für die Wirtschaft sind verheerend genug. Für die Politik heißt das: Wir können das bißchen Demokratie, das man uns zugesteht, komplett vergessen, wenn sich die Methode Kerner endgültig durchgesetzt hat. Und wir sind schon auf dem besten Weg dorthin. Personen statt Programme, Emotionen statt Aussagen, das Stimmvieh so simpel wie möglich ansprechen - genau das, was man für ein funktionierendes demokratisches System braucht. Das heißt, sofern man will, daß es so funktioniert wie in Amerika. Dazu braucht man nur eine gehörige Portion Zynismus. Und den haben Öztürk und Kollegen im Überfluß. Wir können es schaffen. Ihr werdet es schaffen.

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27.6.08

Männerspielzeug

Die Bewertung des Logos von Anhängerkupplungen Rameder möchte ich dem geneigten Leser überlassen. Es hilft allerdings, sich zuvor mit der Seite "Phallic Logo Awards" vertraut zu machen.

Update: Ich sehe gerade, daß man sich schon viel früher hätte Gedanken machen können, wenn man in der Welt des Zweitliga-Fußballs zuhause wäre, so wie Freunde des FC Carl Zeiss Jena:

"Es sind die vielen kleinen Wad´lbeißer, die uns das Leben schwer machen", sagt Rameder, der auch auf sein Firmenlogo stolz ist. "Die Hand, die die Anhängekugel hält, das hat mein Vater kreiert", sagt er. Niemals hatte er doppeldeutige Gedanken beim Anblick des Logos. "Bis uns mal ein Unternehmen mit vielen Frauen aufforderte, es zu ändern", sagt er lachend. Das Logo ist geblieben. In den letzten beiden Partien der abgelaufenen Zweitliga-Spielzeit zierte es gar die Dresse der Zeiss-Kicker.

Das hätte ich nun wirklich gern gesehen.

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25.10.07

Support durch Formbriefe

Anfrage vom 09.09.2006 13:09

Guten Tag!
Wird das Anwählen eines Servers im Festnetz der Deutschen Telekom (z.B. Universitätsrechenzentrum) über Analog-Modem mit dem Call`n`Surf-Modell technisch möglich und von der Telefon-Flatrate gedeckt sein?
Besten Dank im voraus!

Von: info@t-com.net
Datum: 10 Sep 2006 08:47:57
An: fischer@uni-hd.de
Betreff: Re: Anfrage aus: T-Com, Festnetz, T-DSL - Zwischeninformation


Sehr geehrte Damen und Herren,
vielen Dank für Ihre E-Mail.
Bitte geben Sie uns etwas Zeit, um Ihre Anfrage zu bearbeiten. Sie erhalten in Kürze eine Antwort.
Bei Rückfragen per E-Mail geben Sie bitte unser Zeichen: tco-******** mit an.
Mit freundlichen Grüßen
Ihre T-Com

Von: fischer@uni-hd.de
Datum: 17 Oct 2006 13:19:52
An: info@t-com.net
Betreff: Re: Anfrage aus: T-Com, Festnetz, T-DSL (tco-********)


Guten Tag!
Mittlerweile ist über ein Monat seit meiner Anfrage und Ihrer Zwischenauskunft vergangen; ich zweifle etwas daran, daß ich "in Kürze eine Antwort" erhalte. Oder habe ich da etwas übersehen?
Mit besten Grüßen
David Fischer-Kerli

Von: info@t-com.net
Datum: 18 Oct 2006 08:06:12
An: fischer@uni-hd.de
Betreff: Re: Re: Anfrage aus: T-Com, Festnetz, T-DSL (tco-********) - Zwischeninformation


Sehr geehrter Herr Fischer-Kerli,
vielen Dank für Ihre E-Mail.
Bitte entschuldigen Sie, dass Sie zu Ihrer T-DSL Anschluss Tarif Anfrage noch keine Antwort erhalten haben.
Wir benötigen noch etwas Zeit.
Bei Rückfragen per E-Mail geben Sie bitte unser Zeichen: tco-******** mit an.
Mit freundlichen Grüßen
Ihre T-Com

Von: fischer@uni-hd.de
Datum: 24 Oct 2007 14:32:24
An: info@t-com.net
Betreff: Re: Re: Anfrage aus: T-Com, Festnetz, T-DSL (tco-********) - Zwischeninformation


Guten Tag nochmal!
Ich dachte, ich frage so einmal jährlich nach, wieviel Zeit Sie für meine Anfrage vom 09.09.2006 noch benötigen.
Beste Grüße
David Fischer-Kerli

Von: info@telekom.de
Datum: 24 Oct 2007 18:32:05
An: fischer@uni-hd.de
Betreff: T-Com, Festnetz, T-DSL (tco-********) - Zwischeninformation - Zwischeninformation


Sehr geehrter Herr Fischer-Kerli,
vielen Dank für Ihre E-Mail.
Bitte entschuldigen Sie, dass Sie bislang noch keine Antwort erhalten haben. Wir haben Ihr Anliegen an die für Sie zuständige Kundenniederlassung weiter geleitet.
Wir benötigen für Ihr Anliegen noch etwas Zeit. Haben Sie bitte noch etwas Geduld.
Bei Rückfragen per E-Mail geben Sie bitte unser Zeichen: tco-******** mit an.
Mit freundlichen Grüßen
Ihre Deutsche Telekom

... wird nächstes Jahr fortgesetzt ...

Update 26.10.: ... oder auch nicht. Heute! einen Anruf!! von der Telekom bekommen, und zwar nicht!!! wie üblich, um mir einen neuen/alten Tarif aufzuschwatzen, sondern offenbar von der "zuständigen Kundenniederlassung", deren Kundenniederlasser zwar sehr freundlich war, aber auch überhaupt keine Antwort auf meine Frage wußte. Sein Rat: den technischen Kundendienst anrufen; das Mitschreiben der Nummer habe ich allerdings gleich nach "01805..." bleiben lassen. Das Geld ist mir der Spaß nicht auch noch wert, zumal das Leben meine Frage längst beantwortet hat: Ja, es geht, das Unirechenzentrum über Analog-Modem anzurufen, wenn man an DSL hängt, und es kostet ein Heidengeld, wie ich jeweils meiner Telefonrechnung (Einzelverbindungsnachweis) entnehmen kann. Irgendjemand bei der Telekom scheint also durchaus zu wissen, was er für diese Leistung berechnen will. Aber diese Sorte Wissen teilt man offenbar ungern mit anderen.

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15.10.07

My idea of fun

Der Gesetzentwurf von Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) zum Einsatz jugendlicher Testkäufer gegen den illegalen Verkauf von Alkohol, Zigaretten und Gewaltvideos wird auf Eis gelegt. ... Vereinzelt fand die Bundesfamilienministerin für ihren Vorstoß auch vorsichtige Fürsprecher. Die Drogenbeauftragte Sabine Bätzing (SPD) ... Nicht weiterlesen! Weggehen! Rausgehen! Schönes Wetter!

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8.10.07

Ein Schelm, wer Arges usw.

Ein bißchen angreifbar macht sich die Frankfurter Rundschau mit der Farbwahl in ihrer Online-"Wahlbörse" schon. Das mit den schwarzen Balken hatten wir doch gerade erst.

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31.7.07

Erkenntnisse

Früher waren diese beliebten Meldungen mit dem Standardbeginn "Wissenschaftler (gerne auch: amerikanische Wissenschaftler) haben herausgefunden, daß ..." ja ganz amüsant: Dieses oder jenes sei der Gesundheit abträglich, hieß es dann, bis einige Wochen später neue Wissenschaftler zu vermelden wußten, es sei im Gegenteil der Gesundheit förderlich. Oder umgekehrt. So hat beispielsweise der Wein eine erstaunliche "Wissenschaftler haben herausgefunden, daß"-Karriere hinter sich: Mal toll, mal bäh; aktueller Stand scheint eher toll zu sein, kann sich aber auch wieder ändern. Nur leider: Amüsant war gestern. Mittlerweile bekommt der gemeine Staatsbürger vor allem Angst, wenn wieder irgendwelche Wissenschaftler ihr Gesundheitsurteil fällen, denn "ungesund" bedeutet heutzutage nicht zuletzt "demnächst von Staats wegen verboten".

Die Zeiten, in denen Rauchen als gesund galt ("reinigt die Lunge"), sind wohl unwiderruflich vorbei. Insofern ist es nur konsequent, daß das Rauchverbot in Gaststätten, das morgen hier in Baden-Württemberg in Kraft tritt, auch in Wasserpfeifen-Bars gelten soll (Agenturmeldung), womit diese wohl als abgeschafft gelten können. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Sabine Bätzing (SPD) wäre nicht die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Sabine Bätzing (SPD), wenn sie nicht auch hierzu Kluges zu berichten hätte: Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing (SPD), warnte vor gesundheitlichen Risiken beim Rauchen von Wasserpfeifen. "Das wird von Jugendlichen extrem unterschätzt", sagte sie in Berlin. Wasserpfeifen seien mindestens genauso schädlich wie Zigaretten. Sagt das auch das DKFZ, oder hat sie sich das am Ende selbst ausgedacht?

Ein wenig Hoffnung bringt alleine diese allerneueste "amerikanische Wissenschaftler"-Erkenntnis: Bewegung und Koffein verringern bei Mäusen das Hautkrebsrisiko. Hallo? Frau Bätzing? Kaffee ist gesund! Kein Krebs! Bitte nicht verbieten! Fürs Kiffen sieht es dagegen schlecht aus: Ein einziger Joint ist so schädlich wie fünf Zigaretten (neuseeländische Wissenschaftler). Und bringt "pfeifenden Atem, Husten und Schleimabsonderungen". Das gehört dringend verboten! Wie? Schon passiert? Da haben wir ja nochmal Glück gehabt.

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4.7.07

Der Hot Button startet jetzt!

Einmal pro Monat erhalten alle Studierenden der Universität Heidelberg kostenlos und unaufgefordert per Mail das "Journal@RupertoCarola", im Juni allerdings sogar zweimal, denn: "Hiermit rufen wir die zuletzt verschickte Version von Journal@RupertoCarola zurück. Aufgrund eines unberechtigten Zugriffs war diese fehlerhaft – wir entschuldigen uns dafür! Im Anhang erhalten Sie nun die korrekte Version der neuen Ausgabe". Als Rätselfreund habe ich natürlich den Unterschied zwischen den beiden Versionen gesucht und gefunden:

Helmut Kohl kommt am 6. Juli an die Uni
Alt-Bundeskanzler widmet seinen Vortrag der hochaktuellen "Zukunft Europas"


Helmut Kohl kommt am 6. Juli an die Uni und quatscht dumm
Alt-Bundeskanzler widmet seinen Vortrag der hochaktuellen "Zukunft Europas"


Jetzt aber die Preisfrage: Welches ist die "fehlerhafte" und welches die "korrekte" Version? Call in now!

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2.7.07

Ultimo und gedoppelt

Aufmerksame Passanten haben die beiden Autobomben in London entdeckt; in Glasgow war es Glück, daß der Anschlag auf den Flughafen nicht geklappt hat. Glück hat auch Wolfgang Schäuble, daß ihm nun wieder Mikrofone unter die Nase gehalten werden, in die er Forderungen zur inneren Sicherheit fordern darf. Das funktioniert bei ihm wohl schon automatisiert im Halbschlaf, sonst hätte er diesmal womöglich mehr aufmerksame Passanten und mehr Glück gefordert; stattdessen hört man stark Bekanntes: Mehr Videoüberwachung soll her, mehr Kommunikationsüberwachung, und die Online-Durchsuchung auch.

Schäuble weiß: Wenn du etwas durchsetzen möchtest, aber auf Argumente keine Lust hat - Sicherheit ist der ultimative Joker, auf ähnlicher Stufe wie der "Schutz von Kindern und Jugendlichen" und ansonsten allenfalls vergleichbar mit "Ben Gurion" in Kishons "jüdischem Poker". Dieser Trick wird seit langem beispielsweise von Konzertveranstaltern erfolgreich angewandt. Wer jemals versucht hat, den Muskelmann am Eingang davon zu überzeugen, eine Halbliter-Plastikflasche ließe sich nur schwer als tödliches Wurfgeschoß einsetzen, hat erkannt: Mit der Exekutive über Sicherheit zu diskutieren, ist zwecklos.

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26.6.07

PR außer Kontrolle

Die bizarrste Richtigstellung seit langem war im "mobil" der Deutschen Bahn (05/2007:10) zu lesen:
Richtig ist, dass es im Terminkalender von Veronica Ferres keinen Punkt "Feierabend" oder einen anderen Eintrag gibt, der sie daran erinnern soll, ihrer Tochter die Gutenachtgeschichte vorzulesen. Unser Autor wollte mit dieser - leider unglücklichen - Formulierung zum Ausdruck bringen, dass es Veronica Ferres sehr wichtig ist, sich neben ihren vielen Verpflichtungen Zeit für ihre Tochter zu nehmen. Wir bedauern es, falls diese Botschaft unseren Lesern nicht hinreichend vermittelt worden ist.
Auch mit den Zitaten sind Frau Ferres und das "DB-mobil" nicht so richtig warm miteinander geworden:
"Ich bin immer mit dem Kopf durch die Wand, ich habe da so meine eigene Moral, meine eigenen Werte in mir selbst gefunden." Dieses Zitat ist von ihr so nicht autorisiert worden. Das haben wir bei der Korrektur leider übersehen. Die von Veronica Ferres zur Veröffentlichung freigegebene Äußerung lautet: "Ich bin immer mit dem Kopf durch die Wand, ich habe so meinen eigenen Leitfaden, meine eigenen Werte in mir selbst gefunden."

Gelernt hat man beim "mobil" trotzdem nichts: Ein paar Seiten nach der Richtigstellung findet sich ein offenbar komplett erfundenes Interview mit dem kleinen blauen Elefanten aus der "Sendung mit der Maus", der jetzt seine eigene Sendung hat ("Was willst Du anders machen?" - "Nix, ich trample, und ich tröte"). Der kleine blaue Elefant kann bekanntlich nicht sprechen, so daß vermutlich selbst Tom Kummer vor der Herausforderung eines Interviews zurückgeschreckt wäre; die "mobil"-Redaktion verläßt sich dagegen bei der "Übersetzung" der Antworten einfach auf eine dubiose "Elefanten-Runde" des WDR. Mich hätte stark interessiert, ob auch hier eine Richtigstellung durch den kleinen blauen Elefanten erfolgt ist ("Trööt! Trampel! Trampel! Trööt!"), aber im Zug war kein einziges aktuelles Heft aufzutreiben, nur stapelweise das vom Mai. Wahrscheinlich ein kompletter Rückruf.

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17.6.07

Neue Unübersichtlichkeit

Globalisierung findet auch in der Urologie statt! Soll man dagegen jetzt auch protestieren?

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14.6.07

Mal was anderes

Dafür, daß Lukaschenko den Empfang ausländischer Sender in seinem Land unterbinden möchte, muß man ihn nicht mögen. Wohl aber für die Ausrede, die er sich dafür hat einfallen lassen: Satellitenschüsseln seien häßlich und verschandelten das Stadtbild, deshalb müßten sie weg (FR 13.06.2007:6). Endlich mal eine Abwechslung zu der üblichen "Antwort auf alles" ("Big Lebowski") Sicherheit, und dazu noch eine aus dem Reich der Ästhetik, das heute leider nicht mehr soviel gilt. Ich warte jetzt auf "Hier muß unbedingt eine Überwachungskamera hin, das sieht doch gleich viel besser aus" und "Was haben Sie denn dagegen, daß Ihnen ein Fingerabdruck abgenommen wird? Sehen Sie doch nur: diese faszinierenden Formen! Diese subtilen Details!".

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25.4.07

Gut Ding will Weile haben

Am 30. April schon was vor? Ein heißer Veranstaltungstip wäre auf jeden Fall der Festakt, mit dem die juristische Fakultät der Uni Leipzig die Aberkennung von 70 Doktortiteln zwischen 1933 und 1945 zurücknimmt - gerade mal 62 Jahre nach des Führers Ableben! Ein wahrhaft mutiger Schritt. Sogar noch ein kleines bißchen früher, nämlich bereits im Januar 2007, hat die juristische Fakultät - wohl einer plötzlichen Eingebung folgend - festgestellt, daß "in vielen der erwähnten Fälle in schwerstwiegender Weise gegen die Menschenwürde sowie die Prinzipien der Gerechtigkeit verstoßen wurde". Die betreffenden Doktoren würde das sicherlich freuen, wenn nicht längst alle tot wären. Aber so ein Dr. post. hum. ist ja auch was wert.
Überhaupt - manches dauert noch viel länger: "Erstmalig in ihrer 620-jährigen Geschichte" hat sich die Universität Heidelberg jetzt ein Corporate Design gegeben. Vielleicht hatte man im Mittelalter aber auch noch anderes zu tun. Wie soll auch eine 620-jährige Geschichte vor dem Zeitgeist schützen, wenn selbst die ewige Ruhe nicht davor gefeit ist? "Öffentliche Friedhöfe unter Veränderungsdruck", meldet das Deutsche Institut für Urbanistik: "Öffentliche Friedhöfe stehen mit ihren Angeboten und ihrem Service in Konkurrenz untereinander und zu privaten Akteuren". Endlich noch weiteren Spielraum für die Privatisierung entdeckt! Vorschlag an die Leipziger Juristen: Fragt mal eure toten Kollegen, wie die das Angebot und den Service so finden. Wer nach dem Tod rehabilitiert werden kann, kann doch sicher auch nach dem Tod noch Auskunft geben.

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11.3.07

Passivrauchen - Panik greift um sich

ich wollt mal fragen, ob jemand was dazu weiß: ist es schädlich einen raucher zu küssen? kann dadurch auch ein passivrauchen entstehen?
Die Antwort hier.

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8.2.07

Zauberhafte Momente voller Katatonie

Kann es Schlimmeres geben als die "Oasen der Energie" von Duschdas? Schlimmeres sogar noch als das "cremige Geheimnis weisser Schokolade"? Es kann.
"Basilikum, die Königin der Küchenkräuter, lädt ein zum Tanztee und alle, alle kommen: Zimt, Ingwer, Kardamom, die Weisen aus dem Morgenlande bringen ihre würzig warmen Düfte. Eine Prise mexikanischer Chili entfacht unsere inneren Feuer. Ägyptisches Süßholz schmeichelt den Sinnen. Zauberhafte Momente voller Lebensfreude, Wärme und Behaglichkeit führen uns zurück auf die Bühne des Lebens."
Und das alles bei einem Tee, der angeblich die Lebensfreude wecken soll. Da trifft Tammo Sachsens SMS-Resümee des gestrigen Fußballspiels Deutschland-Schweiz doch weitaus mehr den Punkt: LIVE SUFFER DIE!

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31.1.07

Fürchte dich nicht!

Eltville/Mainz - Aus Verärgerung über den neuen Fahrplan hat ein 50-jähriger Bahnkunde am Montagabend in Eltville den Zugverkehr blockiert. Wie die Bundespolizei am Dienstag in Mainz mitteilte, legte er sich auf die Schienen, nachdem er zuvor laut darüber geschimpft hatte, dass seine gewohnte Verbindung gestrichen worden war. Polizisten holten ihn nach einer Viertelstunde von den Gleisen, vier Züge verspäteten sich deshalb.
(FR 20.12.2006:24)

Der Student E. hatte die Angewohnheit, sich zu viele Gedanken über bestimmte Dinge zu machen. So fand es E. nur passend, daß der öffentliche Nahverkehr in seiner Heimatstadt Heidelberg - einer Stadt der Wissenschaft und der Philosophie - sich nie in der schnöden Fortbewegung von hier nach da erschöpfte, sondern immer auch über die Maßen zum Nachdenken anregte. Was genau war der Unterschied zwischen VRN und RNV, und gab es eigentlich die HSB noch? Warum wurden ausgerechnet bei der Straßenbahn zum Hauptbahnhof die ältesten, zur Beförderung von Gepäck ungeeignetsten Wagen eingesetzt, und warum war gerade diese Linie immer zu spät, wo es doch am Bahnhof besonders auf Pünktlichkeit ankam? Mit welcher Absicht wurden die Fahrpläne so gestaltet, daß es für das menschliche Gedächtnis unmöglich war, sich die Abfahrtszeiten abends und am Wochenende zu merken? War dieser Bus noch der letzte oder schon der nächste? Solcher Art waren die Fragen, die E. sich stellte, und er zermarterte seinen Geist so sehr, daß er eines Tages vor lauter Grübelei gar nicht mehr wusste, in welcher Stadt er sich überhaupt befand: Heidelberg? Mannheim? Ludwigshafen gar? Da hörte E. auf einmal eine Stimme wie Donnerhall. "Fürchte dich nicht!" sprach die Stimme. "Ab sofort gilt das Prinzip: Jeder Linie ihre Nummer. Es hilft dir, dich zu orientieren, denn im RNV-Gebiet kommt jede Nummer nur noch einmal vor. Sieh diese Straßenbahn: Sie trägt die Nummer 23, nicht 3. Du bist immer noch in Heidelberg." Und etwas leiser fügte die Stimme hinzu: "Das gemeinsame Liniennetz ist übrigens auch die Grundlage für ein gemeinsames Rechnergestütztes Betriebsleitsystem (RBL)." Diese Auskunft ließ E. stutzen, denn er neigte bekanntlich zum Nachdenken. Hätte dazu nicht auch eine interne Lösung genügt, statt gleich die Linien umzubenennen? "Aber nein", ertönte die Stimme wieder. "Glaub mir, es ist einfacher so. Und es geht dabei vor allem um die Interessen der Fahrgäste."

Als E. diese Worte noch in seinem Herzen bewegte, vernahm er ein großes Wehklagen. Er blickte auf und sah, daß sich noch einiges mehr geändert hatte: Wo einst die Busse 41, 42 und 33 verkehrten, fuhr jetzt nur noch der Bus 33, der aber auch die früheren Linien 31 und 11 abdeckte. Dem Bus Nummer 12 war es gar schlecht ergangen, wie auch die Nummer 21 ihren alten Namen nicht mehr tragen durfte, und ähnliche Grausamkeiten mehr. Große Verwirrung herrschte überall, und die Menschen waren verzweifelt. "In einem Monat hat sich das alles gesetzt. Nur etwas Geduld! Langfristig schafft auch dies mehr Qualität für die Fahrgäste", wandte sich die Stimme beruhigend an E., und sie fuhr fort: "Grundlage dieses neuen Fahrtenangebots bildet der von der Stadt Heidelberg überarbeitete Nahverkehrsplan. Er ist als Ergebnis zahlreicher Veranstaltungen unter hoher Bürgerbeteiligung und damit als Kompromiss zwischen Stadt und Bürgern zu verstehen. Das aus dem Nahverkehrsplan entwickelte Liniennetz schließt somit verbesserte und eingeschränktere Bedienungen ein." E. hätte nun gerne nachgefragt, wie es möglich sei, daß eingeschränktere Bedienungen mehr Qualität für die Fahrgäste böten, aber die Stimme erhörte ihn nicht mehr, sondern dozierte weiter über Schwachverkehrszeiten und angenäherte Zehn-Minuten-Takte ("Einzelne Linien weichen von diesem Raster ab") sowie die Situation in Ludwigshafen.

In seiner Not wandte sich E. an das geschulte Personal der Verkehrsbetriebe, doch das Personal war selbst verwirrt. Langsam wurde E. argwöhnisch, ob hier nicht System dahintersteckte: Vielleicht waren die Plakate mit der neuen Linienübersicht absichtlich auf schlechte Lesbarkeit hin gestaltet? Vielleicht war es gar kein Zufall, daß sich die Datei mit dem neuen Linienplan aus dem Internet, von der E. sich Trost und Stärkung erhofft hatte, erst gar nicht öffnen ließ? Je mehr E. über all dies nachsann, desto weniger schien er zu verstehen, bis er schließlich ernsthaft an seiner geistigen Verfassung zu zweifeln begann. Hörte er denn nicht bereits Stimmen? E. flüchtete sich in den nächstbesten Bus, um Ruhe zum Nachdenken zu finden, und tatsächlich: An den Fenstern der Buslinie 31 zog die schöne Landschaft Heidelbergs so beruhigend vorbei, daß E. wieder Hoffnung und Zuversicht fasste, bis sich auf einmal die Liniennummer des Busses unversehens während der Fahrt in 32 verwandelte. "Das ist nur zum Vorteil der Fahrgäste", hörte E. die Stimme noch sagen, bevor um ihn herum alles in Dunkelheit versank.

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14.1.07

Volle Farben, rhythmische Musik und nicht zuletzt betörende Düfte verwandeln sinnliche Momente in Oasen der Energie!

Ihr wollt mehr? Bitte sehr! Und kauft dies!

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8.1.07

Packungsaufschriften: das leibhaftige Böse

Ich habe recht früh lesen gelernt; im Rückblick hätte ich's vielleicht lieber bleiben lassen sollen. Denn seit ungefähr dreißig Jahren habe ich die allergrößte Mühe, nicht jeden Scheiß zu lesen, der an meinen Augen vorbeikommt. Davon profitieren unter anderem Chrismon, das Magazin für weichgespültes Christentum, der "Gaisberg-Rundblick" und diverse Anzeigenblättchen, ich selber leider weniger. Am meisten Pein verursachen mir dabei eindeutig Packungsaufschriften. Der Genuß von "Oliva Anchovy" von "Feinkost Dittmann" war jedenfalls ziemlich im Eimer, als ich dies hier entdecken mußte:
"Diese neue Gourmet-Kreation wird Sie begeistern! Ausgesuchte Oliven werden entsteint, mit zarter Sardellencreme gefüllt und liebevoll mit einer Olivenhaube verschlossen. Durch die ausgewählten, verschiedenen Geschmacksrichtungen, passen Sie zu jedem Anlass."
Liebevoll verschlossen? Leute, bitte! Und was ist mit dem letzten Satz los? Ich passe zu jedem Anlaß? Und die Kommas? Heißt Globalisierung jetzt, daß man auch so schreiben muß, als käme das Produkt aus Taiwan? Das muß doch irgendjemand aufgefallen sein! So dachte ich zumindest einen Moment lang, bevor mir die erschütternde Wahrheit klar wurde: Nein, es ist niemandem aufgefallen. Und warum nicht? Ganz einfach - weil niemand außer mir Packungsaufschriften liest! Nicht einmal der Hersteller! Und das kommt so:

Im Untergeschoß größerer Betriebe gibt es ein kleines Kellerverlies, in dem zusammengepfercht und angekettet inmitten von Dunkelheit und Fäulnis der Aussatz des Produktionsprozesses dahinvegetiert: die Packungsaufschriftenschreiber, Leute, bei denen es nicht einmal für die Werbebranche gereicht hat; einmal pro Monat werden sie notdürftig mit dem Gartenschlauch abgespritzt, den Rest der Zeit hocken sie in ihrem eigenen Unrat und denken sich Texte wie diesen aus:
"Feinste Schweizer Schokolade. Nestlé Die Weisse macht es vor! Entdecken Sie das cremige Geheimnis weisser Schokolade, die jeden Geniesser zum Schmelzen bringt. Und nun stellen Sie sich vor, Sie sitzen auf einem Gipfel in den Schweizer Alpen, die Sonne scheint und Sie lassen Nestlé Die Weisse auf Ihrer Zunge zergehen. So lecker und cremig kann weisse Schokolade sein."
Der Müll, der dabei herauskommt, ist nicht nur so unbeschreiblich, so abgrundtief blöde, sondern auch noch behaftet mit dem Miasma des Verderbens aus den Pfuhlen der Packungsaufschriftenschreiber, daß niemand außer dem Setzer es über sich bringen würde, auch nur einen Blick darauf zu werfen; selbst den Setzer schüttelt es vor Ekel, wenn er diesen Schund auf die Packung bringen muß, und er überträgt nur ganz wenige Worte auf einmal. (Daher auch die häufig fehlenden Bindestriche, das sogenannte Deppenleerzeichen.)

Der Konsument weigert sich sowieso, sich vorschreiben zu lassen, was er sich beim Schokoladeessen vorstellen soll, oder er kann nicht lesen, in jedem Fall bleibt die Packungsaufschrift unbeachtet. Anders ist nicht zu erklären, warum beispielsweise auf dem Schwarzwälder Kirschwasser der "Peterhaus Brennerei" ungefragt mitgeteilt wird: "Das Tragen der Bollenhut Tracht und das Brennen von edlen Bränden sind beliebte Repräsentanten dieser Region" oder warum der Pfefferminzsirup der Firma Darbo zur "Wellness Oase zwischendurch für alle, die sich Zeit für Entspannung nehmen und vital bleiben wollen" mutiert. Es ist auch besser so, daß niemand die Abgründe der menschlichen Unkultur, die Packungsaufschriften sind, zur Kenntnis nimmt, denn sie verursachen Krätze, Fehlgeburten und schwere seelische Beschwerden. Es war ein großer Fehler von mir, jemals damit angefangen zu haben; ich werde dafür in der Hölle schmoren. Mir bleibt nur noch, euch arglose Leser zu beschwören: Macht nicht denselben Fehler! Lest niemals - niemals! - Packungsaufschriften! Und lest vor allem nicht diesen Blogeintrag!

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20.12.06

Nazichristen greifen an!

Hessens Einzelhandels-Präsident Frank Albrecht hat den Protest von Ordensleuten gegen das neoliberale Wirtschaftssystem vor Frankfurter Geschäften mit Nazi-Methoden verglichen. Die Christen hatten mit Plakaten vor Geschäften gestanden. (FR 20.12.2006:24)

Gestanden! Mit Plakaten!! Sind wir schon wieder soweit? Kein Wunder, daß Herr Albrecht sich an unselige Zeiten erinnert fühlt: "Es ist nicht demokratisch, auf die Straße zu gehen mit Plakaten, wie früher einmal geschehen". In der Tat bedenklich, daß solches Tun immer noch nicht verboten ist. Herr Albrecht ist dabei sogar noch großzügig, denn ihm "geht es nicht darum, dass jemand seine Meinung nicht sagen darf. Doch hier wird klar aufgefordert zur Konsumverweigerung und damit zum Boykott des Einzelhandels. Das ist nicht rechtens. (...) Im vergangenen Jahr fing das an, dass sie gegen das kapitalistische Wirtschaftssystem demonstrierten mit dem Ziel, dass die Menschen auf Konsum verzichten. Das ist ein Angriff auf die Gewerbefreiheit, das passt auch nicht in unser Rechtssystem". Und schon gar nicht in die Weihnachtszeit! "Da sollte man aufeinander zugehen, versöhnlich sein" (Albrecht). Und vor allem Zeugs kaufen, bis es quietscht! Darum geht es doch bei diesem Fest! Also, Leute: Bitte konsumiert euch dumm und dämlich. Ihr habt noch drei Tage Zeit bis Heiligabend. Ihr wollt doch nicht die Grundlagen unserer Gesellschaft zerstören, oder? Und vor allem keine Nazis sein!

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10.12.06

Fahrplanwechsel

"Bislang wurden die Linien 3 und 6 im Spätverkehr als Linienübergang am Berliner Platz gekoppelt. Da die Linie 6 im Nachtverkehr künftig als Bus fährt, kann die Linie 3 nicht mehr am Berliner Platz enden. Eine Übernahme des Abschnitts zwischen dem Berliner Platz und Mannheim Hauptbahnhof erfolgt nach 21 Uhr daher durch die Linie 4" (RNV online). Alles klar? Immer dran denken: Die tun das alles nur "im Interesse der Fahrgäste"! Alles nur für dich.

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10.7.06

Back to reality

Die WM hat uns auf wunderbare Weise verändert.
Roland Koch, Ministerpräsident der Herzen

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6.6.06

Weekly Koch

Fehlprognose: Gar kein Roland Koch im aktuellen SPIEGEL, wenn ich nicht wieder was übersehen habe. (Auch keine nackten Frauen, immerhin mehrere Leichen - ebenfalls sehr beliebt in der SPIEGEL-Fotoredaktion.) Schade, ausnahmsweise hätte ich mich darüber gefreut, allerdings nur in Verbindung mit Indianern. Als Trost gibt's ein bißchen Häme über sich impertinent an Fußballer heranwanzende hessische Ministerpräsidenten auf Spiegel Online. (Dank an S. Kuzmany für den Link!)
Beim Streik auf SETI kommt man übrigens mittlerweile auf den Trichter, daß man auch ein paar Forderungen stellen könnte, wenn man schon streikt. Rücktritt von Koch vielleicht? SETI.Germany, hört mich wer?

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3.6.06

Gutes Timing Pt.2

Der Vollständigkeit halber: Unterdessen hat sich auch Spiegel Online das Leitkulturgeschwafel von unserem geliebten Roland "Wir sind mehr als die Indianer" Koch näher angesehen und entdeckt, daß nicht nur für Franz Josef Wagner, sondern auch für die NPD Einwanderung und Indianer zusammenhängen. Große Überraschung! SPD und Grüne regen sich tapfer auf, wohl in vollem Bewußtsein der Tatsache, daß diesem Mann alles durchgeht, genauer gesagt: er sich alles durchgehen läßt. Ein Schelm aber auch! Das obligatorische Koch-Foto im nächsten Druckspiegel dürfte schon gebucht sein. Immerhin mal mit Grund.

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29.5.06

Heute ist Montag! (Update)

SPIEGEL-Auswertung (aktualisiert): Bilder von Roland Koch: 1, Bilder von nackten Frauen: 3, Interviews mit Alice Schwarzer: 1 (letzte Woche: 1:0:0). Koch 0? Zu früh gefreut. Renate hat ihn doch noch gefunden, mitten im Schwarzer-Interview: kleiner als normal, aber unbestreitbar Roland. Ich selbst war wohl ... äh ... abgelenkt.

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22.5.06

Gutes Timing

Die Fußball-WM bietet guten Anlaß, hierzulande wieder über "Stolz" zu reden, meint der unvergleichliche Roland Koch (FR 22.05.2006:1). Wie man nationalen Stolz brutalstmöglich beweisen kann, hat man ja die letzten Tage schön gesehen. Die deutsche Leitkultur soll selbstverständlich auch wieder her, über die Vernichtung von Kultur durch Einwanderung am Beispiel der Indianer wird ebenfalls nachgedacht, und: "Wir Deutschen wollen Weltmeister werden", und zwar nicht nur im Fußball, "das gilt überall". Das mußte endlich mal wieder gesagt werden! Ich kann gar nicht soviel bloggen, wie ich kotzen möchte ...

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19.5.06

Brüh im Lichte dieses Glückes

Hab mich lieb!Preisfrage: Für wen ist die rechtsextreme Gewalt in den national befreiten Zonen-Zonen ein Problem? Wir haben's jetzt begriffen: Nicht etwa für die fremdländisch aussehenden Leute, die dort gerne mal totgeprügelt werden, sondern für das Image des Landes Brandenburg. Aber mal ganz ehrlich, Schönbohm: Totschweigen bringt doch nix - und geht auch gar nicht mehr, weil einer schon gepetzt hat! Die Kunst der Public Relations lehrt uns vielmehr, daß man in dieser Lage offensiv vorgehen muß. Nicht nur im Zeitalter der Präventivkriege gilt: Angriff ist die beste Verteidigung! Stehen wir zu unseren Nazis! Selbstironie wird immer honoriert: Ersetzen wir einfach den dämlichen Goleo durch den putzigen Nazi-Kuschelbär (TM), und das Imageproblem ist wie weggeblasen! Da kann man sogar ein wenig schmunzeln, wenn man gerade geklatscht wird! Die Welt ist zu Gast bei Freunden, und einige sind halt ein bißchen schrullig. Aber im Grunde ganz harmlos, gell?

Nachtrag: Eben erst entdeckt, daß die Polizei schon vor Monaten eine ähnliche Idee hatte. Ach Mensch ...

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3.5.06

Auffallen um jeden Preis

"Liebe Kundin, lieber Kunde! Uns ist aufgefallen, dass Kunden, die American Psycho gekauft haben, ebenfalls an Die Simpsons - Die komplette Season 7 (Collector's Edition, 4 DVDs) auf DVD interessiert sind", schreibt mir Amazon. Big Brother goes Spaßgesellschaft? Dem Spiegel hingegen ist aufgefallen, daß Roland Koch zwar schon unter jedem erdenklichen Vorwand abgebildet war, aber noch nie zusammen mit 17.000 Spargelstangen, und er hat prompt reagiert. Den Vereinigten Staaten schließlich dürfte aufgefallen sein, daß mit Morales schon wieder ein frecher lateinamerikanischer Staatschef versucht, die Ölindustrie zu verstaatlichen. Eine schlechte Idee, wenn man bedenkt, daß im noblen Kampf der USA für die Freiheit nicht nur in Lateinamerika die Freiheit der Konzerne mehr gilt als die Freiheit der Bevölkerung. Auffällig oft.

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11.4.06

Sündenbabel Heidelberg

Achtung! Achtung!

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10.4.06

Verlautbarungen des Grauens

Beim Aufräumen gefunden: Magdalena Brzeska gratuliert der BARMER zum "Superbrand 2005" (BARMER Magazin 4/2005). Ich dachte, Krankenkassen wären eher gegen Alkohol? Interessanter dagegen ein Werbezettel der "Tagespost", die allein schon ihr genialer Slogan "Unsere Sprache: katholisch" sympathisch macht. Glaubt man der Eigenwerbung der Tagespost ("ein klares katholisches Profil ... eine kirchliche Position in Einheit mit dem Papst und den Bischöfen"), so finden sich dort nicht nur "fundierte, exzellent recherchierte Beiträge, die stets als seriöse Informationsquelle dienen", sondern auch "alle wichtigen Dokumente aus Rom - und das sofort und im vollen Wortlaut"! Dafür leistet sich die Tagespost sogar einen "eigenen Übersetzungsservice", der garantiert, "dass Sie unmittelbar mit allen Verlautbarungen des Vatikans versorgt werden". Ein wirklich verlockendes Angebot! So sehr ich auf Verlautbarungen stehe, fürchte ich doch, daß ich mit Rücksicht auf meine ausgeschöpften Papierlagerungsreserven die ausgestreckte Hand der Tagespost zurückweisen muß. Ein Grund mehr, der für den Online-Journalismus spricht: Die Verwaltung des ganzen Informationsmülls ist viel einfacher. "Wollen Sie diesen Ordner wirklich löschen?" "O ja, ja, ich will!"

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2.4.06

Einkaufen mit Westerwelle

Gestern im Handelshof: SCHON WIEDER alles umgestellt! Langsam frage ich mich, ob da nicht System dahintersteckt. Vielleicht hat die Verkaufspsychologie entdeckt, daß häufiges Umräumen den Verbraucher dazu anregt, bei der Suche nach seiner Tütensuppe die Warenwelten des entsprechenden Supermarktes neu zu erkunden? Bei einer Disziplin, die sich überlegt, welche Duftstoffe wann am besten ausgebracht werden sollten, um dem mündigen Konsumenten noch mehr Geld aus der Tasche zu ziehen, würde mich das nicht besonders wundern. Der Handelshof (Lidl & Schwarz) ist mir sowieso verdächtig, seit die Kassiererinnen dort vorgeschrieben bekommen, beim Bezahlen die hundsblöde Ami-Frage "Waren Sie zufrieden mit Ihrem Einkauf?" zu stellen. Was soll man da antworten? "Nein, der tiefgefrorene Rosenkohl hat mich angefallen?"

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27.3.06

Roland, bitte melde dich!

Was ist mit dem SPIEGEL los? Bislang konnte man sich darauf verlassen, in jeder, aber auch wirklich jeder Ausgabe ein Bild von Roland Koch präsentiert zu bekommen - mal groß, mal klein; wenn man großes Pech hatte, auch in jungen Jahren bei der Schülerunion. Ganz selten mußte man länger suchen, bis man ihn entdeckt hatte, wurde aber letztlich immer mit diesem gewissen Gefühl der Übelkeit belohnt, das einzig der Anblick dieses sympathischen Ministerpräsidenten auslösen kann. Der Zweck der redaktionellen Selbstverpflichtung erschloß sich uns - zugegeben - nie so ganz: Koch möglicherweise als optisches Gegengewicht zu den obligatorischen ein, zwei halbnackten Damen im hinteren Teil des Herrenmagazins, gewissermaßen als Peitsche zum Zuckerbrot?
Wir lernten jedenfalls, damit zu leben; schließlich braucht der Mensch Regelmäßigkeiten. Aber heute? Unser traditionelles Spiel "Such-den-Koch" blieb völlig ergebnislos, selbst die Abbildungen von Glos und Guido konnten uns nicht trösten. SPIEGEL - wir sind enttäuscht! Dafür aber nächste Woche bitte gleich zwei Fotos. Oder endlich den Starschnitt!! Sonst wäre unser Leben wieder ein Stück ärmer geworden.

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26.3.06

Paint it black

Jörg Schönenborn freut sich gerade, daß Baden-Württemberg es den Wahlforschern relativ einfach macht: "Hier gibt es nur ein Ein-Stimmen-Wahlrecht, das heißt, die Wähler können sich nicht entscheiden". Lukaschenko oder Oettinger? Nix gibts!

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9.10.04

Deppenleerzeichen Pt.2

Ich scheine in meiner Qual ob fehlender Bindestriche doch nicht allein zu sein: Auf strange-links.de findet man die schöne Seite Deppenleerzeichen.de, die sich mit der schlimmsten orthographischen Seuche nach dem sog. Deppen-Apostroph beschäftigt. Weiter so!

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1.10.04

Gegen den Strich

Schmerzen

Wundern mußte ich mich über die jüngst entdeckte und eigentlich recht lesenswerte Zwiebelfisch-Kolumne. Der junge Bastian Sick wettert hier unter der Überschrift "Das Elend mit dem Binde-Strich" gegen die Tendenz, auch kürzeste Wortzusammensetzungen (Seh-Test) durch einen Binde- oder vielmehr Trennungsstrich auseinanderzureißen. Eine im Kern berechtigte Forderung, und dennoch:
Ach, würde doch mein Gram gewogen, legte man auf die Waage auch mein Leid! Gibt es keine Hilfe mehr für mich, ist mir jede Rettung entschwunden (Hiobs Klage)? Welch unsägliches Leid, welch Schmerz und Mühsal kommt über dieses Land nicht wegen zu vieler Bindestriche, sondern gerade wegen deren Fehlen! Seit ich mich in den efc news 34 gezwungen sah, Marketingsprachmonstrositäten wie "Käs Spätzle" oder HUUARGH "Nudel Schmankerl" zu beweinen, ist die Lage nicht besser geworden, ganz im Gegenteil.

Begonnen hat die Misere, wenn ich das richtig sehe, mit dem allmählichen Verschwinden des Bindestriches aus englisch-deutschen Wortzusammensetzungen, gerne zu beobachten im Getippe enthemmter Computer-Nerds. Merkt euch, o Technodeppen: Auch wenn es zehnmal "Internet Explorer" heißt, bleibt "Internet Explorer Dateien" doch eine Qual für des Lesers Auge! Mittlerweile sind alle Schranken gefallen, und auch rein doitsche Komposita fristen ihr ärmliches irdisches Dasein bindestrichlos: Seit McDonald's zu einer Verkaufsstelle für Bionahrung mutiert ist, lebt hier der orthographisch wie geschmacklich nicht zu beanstandende "Grilled Chicken Caprese" in Eintracht mit der "Frucht Tüte" und dem "Garten Salat". Und jetzt alle zusammen: GARTEN SALAT.
Merkste was? Das Problem betrifft nicht nur die Schreibung, sondern auch die Aussprache: Bei "Feinkost Müller" geht die Stimme nach oben, und die Betonung liegt auf dem zweiten Wort; bei "Gartensalat" ist es umgekehrt. Und was machen wir jetzt mit dem "Garten Salat"?
Hinzu kommt die Gefahr von Sinnentstellungen. Seit längerem bereitet mir etwa die Heidelberger Haltestelle "Adenauer Platz" intellektuelle Pein: Ist sie nach dem Fleckchen Adenau benannt, wie die Schreibung nahelegt, oder nach dem Bundeskanzler, der all die Nazis in führenden Positionen duldete? (Auflösung erhältlich bei der Heidelberger Straßen- und Bergbahn).
Selbst meine geliebte Frankfurter Rundschau verliert zunehmend ihren sprachlichen Anstand. Wer beispielsweise etwas über die "National Geographic World"-CD für Kinder erfahren möchte ("Entdecke die Welt ... and get into English"), kann in der FR vom 4.9.04 vernehmen: "Am Schluss" (gemeint ist Schluß) "gibt es noch eine kleine Rap-Zugabe der aufgedrehten Moderatoren Ratte". Klingt lyrisch, ist aber blutiger Ernst: Es handelt sich nicht um eine Ratte der aufgedrehten Moderatoren, sondern um eine moderierende Ratte. Wir leben schließlich im 21. Jahrhundert.

Fassen wir zusammen: "Seh-Test" muß nicht sein, aber seien wir tolerant gegenüber aussterbenden Arten. Seid lieb zu den Bindestrichen, solange es sie noch gibt!

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