Haß
Wenn der Anrufer fragt: "Spreche ich mit Herrn David Fischer-Kerli?", folgt in der Regel nichts Gutes, sondern ein Verkaufsgespräch, im schlimmsten Fall von der Telekom. In diesen Momenten weiß ich nicht, was mich mehr ankotzt: der Brauch, die Leute zu Verkaufszwecken auch noch per Telefon zu belästigen, oder anhören zu müssen, wie mein Name zu Däiwid oder Deewid mutiert. Liebes Callcenter-Prekariat: Es mag ja sein, daß in euren Kreisen alle Kinder Kevin und Jennifer heißen. Dem Umstand, daß euer Bildunghorizont vermutlich nicht weit über David Odonkor hinausreicht, gilt mein vollstes Mitgefühl. Genauso traurig finde ich es, daß ihr aufgrund der hirnlosen amerikanischen Fernsehserien, mit denen ihr eure trostlose Freizeit ausfüllt, oder aufgrund der trendigen pseudo-englischen Firmennamen und Werbeslogans, mit denen ihr es in dem, was ihr Leben nennt, so zu tun habt, den Eindruck gewinnen müßt, als lebten wir alle bereits in einer Art USA. Aber warum zum Geier ruft ihr alle mich an, wenn ihr nicht mal wißt, wie ich heiße?
Labels: Modernes Leben
2 Comments:
sei froh, dass DU nicht im "callcenter prekariat" erbeiten musst, um Geld zu verdienen, es macht bitter und: Noch mehr HASS! HASS! H A A A A A A A S S S SS S!!!! (...nächstes mal reiße ich Hitler seine wächsernen EIER AB!)
Wenn ich dein Jobprofil richtig in Erinnerung habe, mußt du auch nicht gerade jammern. Im übrigen sind Leute, die keine andere Arbeit finden UND dazu noch wissen, wie man das Wort "David" hierzulande auspricht, von meinem Haß ausgenommen. So wie jene Dame heute, die mich eigentlich zu einem Wechsel des Stromanbieters bewegen wollte, sich dann aber, auf Gegenwehr stoßend, bei mir über die Arbeitsmarktsituation im allgemeinen und ihre Arbeitsbedingungen im besonderen beklagte. Das Call-Center, das sie zur Lüge angestiftet hat, ich hätte an einem Preisausschreiben für einen "Mini-Cooper oder ein Cabriolet" teilgenommen, wollte sie mir dann allerdings doch nicht verraten, genausowenig wie (erwartungsgemäß) der naßforsche Mitarbeiter an der Hotline des besagten Stromanbieters, der sich auf dem Standpunkt stellte, es sei Sache der Call-Center, wie sie ihre Akquise betrieben. Nur "branchenüblich" hat er nicht gesagt ...
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